Sonntag, 19. Februar 2012

Die Landkarte der Zeit – Félix J. Palma

Kindle, übersetzt von Willi Zurbrüggen

Und wieder ein Zeitreiseroman!
Aber ein ganz anderer – nämlich ein gut durchdachter, stilistisch wundervoll geschriebener. Ohne logische Fehler (bis auf eine Wortverwechslung, denn ‚später’ ist das Gegenteil von ‚früher’, und wenn man das eine meint….).
Die Melodie der Wörter setzt sich ins Ohr und in das Denken, das ist richtig schön.

Die Geschichte, aufgeteilt in drei Teile, hat ihre Höhen und Tiefen, und ich hatte nach eine längeren Pause Schwierigkeit, mich aufzuraffen und weiterzulesen. Doch das gab sich nach ein paar Sätzen und ich tue dem Autor Unrecht, wenn ich ihn der Langatmigkeit bezichtige. Es gehört dazu, dieses Abschweifen. Das wird durch den Stil mehr als ausgeglichen.

Und ein Wort wie ‚Sterbegetue’ bleibt haften, versprochen.
Ganz zu schweigen von der ‚blödsinnigen Szene’, die ich drei Mal gelesen habe, weil sie so wunderbar blödsinnig ist. So viel Mut muss man erst einmal haben, selbst Erdachtes als blödsinnig einzuleiten.

Félix J. Palma (und auch der Übersetzer, deshalb erwähne ich ihn) hat ein Werk geschaffen, das seinesgleichen sucht.

Empfehlung?
Meiner Meinung nach der beste Zeitreise-Roman, den ich je gelesen habe (und davon gibt es einige). Inhaltlich und in der Umsetzung absolut kein Einheitsbrei, und man muss schon ganz genau aufpassen, um sich nicht zu verlieren.
Bestimmt kein einfaches Buch, aber davon gibt es mehr als genug.


Und es bestätigte sich meine Befürchtung, denn das (einfache) Buch, das ich jetzt gerade lese, ist doch arg simpel im Gegensatz zu diesem Meisterwerk. Und seltsam gehetzt!
‚Die Landkarte der Zeit’ hat mich wohl für einen Moment in ganz andere literarische Höhen gehoben. Und der Sturz schmerzt!

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