Donnerstag, 9. Februar 2012

Lehrerkind: Lebenslänglich Pausenhof – Bastian Bielendorfer

Kindle

Das ist mal ein richtiges Klugscheißer-Buch!
Die Satzkonstruktionen sind haarsträubend kompliziert, die Wortwahl fast noch schlimmer, meine Güte. Da wird mit Fremdwörtern um sich geworfen, als wolle Herr Bielendorfer aller Welt beweisen, dass die Aufzucht durch Lehrer ein so hohes Bildungsniveau mit sich bringt, vor dem jeder halbwegs Gebildete nur kapitulieren kann, in Ehrfurcht natürlich.
Und nur, um dann im nächsten Satz auf Fäkalsprache vom Feinsten zu treffen.
Dabei hatte ich den Verdacht, dass einfach ein paar Worte eingestreut werden, die er selbst nicht richtig reflektiert hat. So wird der ‚Obelisk’ mindestens dreimal erwähnt, und zwar im falschen Zusammenhang, meiner Meinung nach hätte ‚Basilisk’ besser gepasst.

Für den kindle ist dieses Buch ziemlich ungeeignet, da es Textpassagen gibt, die wohl eine handschriftliche Ausführung sein sollen. Die Schrift ist hell und klein (Kontrast und Größe lassen sich nicht verändern) und es schmerzt mit der Zeit gewaltig in den Augen. Der am Ende abgedruckte Brief mit den Anmerkungen des Vaters ist genauso schlecht zu lesen.

Natürlich ist das Buch sehr unterhaltsam, versteht mich hier nicht falsch. Voller netter Anekdoten aus dem Schülerleben (und darüber hinaus).
Ich glaube, Herr Bielendorfer musste einfach den Frust seiner Kindheit und Jugend herauslassen. Das ist ihm gut gelungen. Es wäre schön, wenn er damit auch einen gewissen finanziellen Erfolg hat, schließlich steht die halbe Millionen noch aus.

Mich hat das Buch insoweit berührt, das mein Vater (ebenfalls Lehrerkind und dazu noch Legastheniker) auch mal einen Brief an seinen Vater schrieb und dieses korrigiert zurück bekam (er schrieb ihm glaub ich nie wieder). Und weil ich selbst das dicke Kind war, auf dem alle herumhackten. Dazu noch sozial inkompetent. Nunja, ich gehe eben nicht zum Klassentreffen und mag mich auch nicht an meine Schulzeit erinnern.

Empfehlung?
Man muss schon ziemlich genau hinschauen, um etwas über den Menschen Bastian Bielendorfer zu erfahren, auf den ersten Blick ist er ein arroganter Besserwisser, der sein ‚Scheitern’ in Satzkonstrukten versteckt – und sich selbst wahrscheinlich viel zu kritisch sieht.
Für Alle, die schon immer wissen wollten, wie man sich als unbeliebter Schüler fühlt, kann dieses Buch sicher hilfreich sein, die wahren Tiefen der Verzweiflung findet man hier jedoch weniger. Dazu wird einfach zuviel ins Lächerliche gezogen.

Jeder Autor hat das Recht darauf, seine Geschichte so zu erzählen, wie er es für richtig hält.
Bastian Bielendorfer hat einen Weg gefunden, der bei mir Unbehagen ausgelöst hat. Aber es ist sein Befreiungsschlag, nicht meiner!

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