Mittwoch, 30. Mai 2012

Die Tatortreinigerin – Antje Schendel


Taschenbuch

Zugegeben es war purer Voyeurismus, der mich dazu trieb, dieses Buch zu lesen. Natürlich erwartete ich gruselige Geschichten über Tatorte und Leichen, Blut und andere Körperflüssigkeiten. Und die gibt es. Ein paar wenigstens. Aber all diese Geschichten kennt man aus Reportagen, Filmen, Serien, Büchern. Nichts Neues für jemanden, der sich in einschlägigen Genres bewegt.
Ansonsten bietet dieses Buch die Lebensgeschichte einer Frau, die unbeirrt ihren Weg geht, dabei an ihre Grenzen stößt, aber trotzdem weitergeht. Leider ist Frau Schendel keine gute Autorin, noch nicht einmal eine gute Geschichtenerzählerin. Es ist der Eindruck von einem Menschen, der sich an den Küchentisch setzt und sein Leben aufschreibt. Unreflektiert und literarisch geradezu niveaulos. Und dazu noch ein wenig selbstherrlich.

Was macht also den Reiz dieses Buches aus?
Es lässt sich schnell durchlesen.

Ganz so schlimm ist es nicht.
Im Gegensatz zu den erwähnten anderen Quellen meines Wissens ist es wohl realistisch, was diese Frau über Tatorte schreibt. Das finde ich gut und erhellend. Keine neuen Erkenntnisse, nein, das stimmt nicht. Mir war nicht klar, dass sich ein toter Körper so sehr verflüssigt, dass er durch die Decke tropft. Also nicht viele neue Erkenntnisse, aber die Bestätigung dessen, was man vielleicht bislang gerne als Fiktion abgetan hat.
Aber wie geschrieben, diese Beschreibungen sind eher dünn gesät.
Und ich frage mich, inwieweit es mich wirklich interessiert, was Frau Schendel so an Beziehungen in ihrem Leben hatte. Oder wie wunderbar ihre Tochter ist. Dann hätte der Titel (und der leidige Klappentext) wohl auch anders lauten müssen.

Fazit?
Frau Schendel zeigt einen sehr professionellen Umgang mit ihrem Beruf. Und den soll sie ruhig weiter ausüben. Nur Bücher sollte sie nicht schreiben. Wenigstens keine Erfahrungsberichte mit persönlicher Note.

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