Donnerstag, 31. Mai 2012

Durch stürmische Zeiten – Lesley Pearse


Taschenbuch

Historische Romane haben den Vorteil, dass man viel über geschichtliche Dinge erfährt, ohne sich mit trockenen Fakten herumschlagen zu müssen. So ist es auch in diesem Buch. Anhand des Schicksals einer Frau wird hier sehr anschaulich beschrieben, wie das Leben um 1786 in England und auch in Australien war. Als Mitglied des ersten Gefangenentransports, der nach dem noch sehr unbekannten Australien losfuhr, leidet man beinahe hautnah mit Mary.
Hätte die Autorin auf die ständige Hervorhebung der ach so guten Charaktereigenschaften verzichtet und sich dazu noch einer etwas gehobeneren Ausdrucksweise bedient, wäre es ein vollkommener Genuss gewesen. Soweit man von Genuss sprechen kann, wenn es um wirklich schreckliche Zustände, und Umstände, geht. Insgesamt hat mich diese Geschichte jedoch fasziniert. Das Nachwort erklärt dann auch, warum Lesley Pearse Mary, und auch ein paar andere, so beschreibt, wie sie es tut. Es geschah aus Sympathie und Bewunderung. Gut, dann ist das in Ordnung.

Eine Botschaft des Buches möchte ich hier zitieren: So lange ich atme, wird mich die Hoffnung nie verlassen.
Diese absolute Überlebenswille und dabei noch der Wunsch, moralisch mehr oder weniger einwandfrei zu sein, in einer Gesellschaft, in der einfach nur das Gesetz des Stärkeren zu herrschen scheint, ist immer wieder erhellend. Immer hat es Menschen gegeben, die sich auch um andere gekümmert haben – und immer hat es solche gegeben, die nur sich selbst sahen. Schmarotzertum ist keine Erfindung der heutigen Zeit. Und manchmal müssen Dinge einfach getan werden.

So geht es also auch in diesem historischen Roman um eine starke Frau. Eine Frau, die ihren Weg geht und zwar aufrecht. Natürlich ist vieles historisch belegt, aber ich frage mich doch zuweilen, inwieweit die dichterische Freiheit hier phantasiert. Oder um es anders auszudrücken: ich würde gerne einen Blick riskieren in diese Vergangenheit. Und ein größeres Kompliment kann man wohl keinem Autor machen. Lesley Pearse hat eine Geschichte niedergeschrieben, in die ich gerne eingetaucht bin. Trotz des Entsetzens und des Ekels.

Fazit?
Der simple Stil hat mich zeitweise gestört, auch die Wiederholungen.
Ansonsten ist es ein gut zu lesendes historischer Roman, der viel Wissen vermittelt ohne schulmeisterhaft zu sein. So macht Geschichte neugierig.

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