Freitag, 15. Juni 2012

Der Liebesroman

Den Liebesroman als solchen kann man sehr gut in Schubladen packen. Wobei es natürlich immer Ausnahmen gibt. Aber generell lässt sich folgendes sagen:

Der Held:
Immer gutaussehend. Einzige Makel sind Narben, die auf eine schlimme Vorgeschichte hinweisen. Ehrenhaft oder im Hinterhalt erhalten, zeigen sie immer, dass der Held tapfer und unbeugsam ist. Meist ist er unglaublich reich.
Bevorzugte Haarfarbe: blond oder schwarz
Bevorzugte Augenfarbe: blau oder grün
Der Held ist immer groß, durchtrainiert, selbstbeherrscht. Er kennt sich mit Waffen aus, kämpft für seine Ziele, bedauert Kollateralschäden, nimmt aber sonst wenig Rücksicht.
Einziger wunder Punkt ist die Heldin, für die er sich auch gerne mal zum Affen macht.

Die Heldin:
Immer gutaussehend aber mit kleinen Schönheitsfehlern. Meist vom Schicksal gebeutelt aber trotzdem charakterfest. Meist eher arm.
Bevorzugte Haarfarbe: blond oder rot, manchmal schwarz
Bevorzugte Augenfarbe: blau oder grün
Die Heldin ist meist eher klein, etwas launisch, hat ihre eigene Sicht der Dinge, die nicht unbedingt etwas mit der Realität des Helden zu tun haben.

Die Handlung I:
In den ersten Liebesromanen, die ich bewusst als solche gelesen habe, wurde die Heldin grundsätzlich erst einmal vergewaltigt. Entweder vom Bösewicht oder direkt vom Helden. Davon sind die AutorInnen zum Glück abgerückt.
Inzwischen treffen Held und Heldin aufeinander, spüren eine starke Anziehungskraft, wehren sich dagegen, haben trotzdem Sex, trennen sich wieder und kommen am Ende natürlich doch zusammen.

Der Bösewicht:
Oft ebenfalls gutaussehend, aber immer mit einem Makel. Teilt mit dem Helden ein dunkles Geheimnis. Ist von Grund auf böse, selten wird er ‚bekehrt’. Begehrt die Heldin aus unterschiedlichen Gründen, meist nur, um dem Helden eins auszuwischen. Kämpft unfair und verbündet sich gerne mit:

Die Nebenbuhlerin:
Hier wird gerne eine Verwandte der Heldin genommen, die böse Stiefschwester zum Beispiel, die ebenfalls ein Auge auf den Helden geworfen hat. Aber auch Stiefmütter sind sehr beliebt. Sie sind entweder unglaublich schön oder unglaublich hässlich. Böse sind sie immer und bleiben es auch.

Der Freund / die Freundin:
Sie stehen dem Held / der Heldin zur Seite. Der Held hat oft einen väterlichen Freund, die Heldin eine gute Freundin aus Kindertagen. Sind sie meist ebenfalls gutaussehend, so stellen sie doch niemals eine Gefahr für die knospende Liebe dar.

Der Ort:
Historische Liebesromane spielen meist in Großbritannien, bevorzugt wird hier entweder Schottland oder London.
Exotische Orte sind meist auf die USA (die amerikanischen Kolonien) beschränkt, wenige Ausnahmen spielen auch woanders, haben dann aber auch oft einen anderen historischen Anspruch.
Zeitgenössige Liebesromane spielen meist im englischsprachigen Raum, haben oft Fabelwesen wie Vampire, Engel, Dämonen, Zauberer und Hexen zum Thema.

Die Handlung II:
Natürlich müssen Held und Heldin einige Abenteuer erleben. Durch die ständige Bedrohung durch den Bösewicht und die Nebenbuhlerin geraten sie oft in Gefahrensituationen, in denen es durchaus um Leben und Tod geht. Oft gibt es Verletzte, die aufopferungsvoll gepflegt werden oder unter Lebensgefahr gerettet werden müssen. Immer erleiden sie großes Unrecht, aus dem sie sich befreien müssen.
Und es gibt Missverständnisse, die eine Annäherung erschweren.

Der Humor:
Im Zusammenspiel von Held und Heldin kommt es in vielen Liebesromanen zu urkomischen Situationen, die mir schon wahre Lachanfälle beschert haben. Für mich zeigt sich da die Kunst der AutorInnen.

Die Zeitreise:
Weil es heutzutage natürlich keine richtigen Männer mehr gibt – außer es handelt sich um Vampire und Konsorten – muss die Heldin in die Vergangenheit reisen, um dort den Mann ihrer Träume zu finden.
Oder der Held wird kurzerhand in die Gegenwart versetzt.
Dies führt zu viel Verwirrung, weil der Zeitreisende natürlich erst einmal gar nicht versteht, wo er da gelandet ist. Und der Gegenpol weiß nicht, warum sich der andere so seltsam verhält. Da wird dann schnell von Hexerei parliert, was viele Gefahren in sich birgt.

Das Ende:
Sind endlich alle Gefahren überstanden, der Bösewicht und die Nebenbuhlerin ihrer gerechten Strafe zugeführt worden, alle Missverständnisse ausgeräumt, dürfen sich Held und Heldin zueinander bekennen und den Rest ihres Lebens in holder Glückseligkeit verbringen.
Wenn ein Liebesroman anders endet, ist es kein Liebesroman mehr, sondern eine tragische Liebesgeschichte.

Natürlich gibt es Ausnahmen von den hier aufgestellten Regeln, aber ich glaube, jeder, der sich mit diesem Genre auseinandergesetzt hat, wird viele Beispiele finden, die dem entsprechen.

Empfehlung:

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