Mittwoch, 17. April 2013

Er ist wieder da – Timur Vermes


Gebundene Ausgabe, Roman



Ich habe mir bereits viele Gedanken darüber gemacht, was ich über dieses Buch schreiben will, kann und möchte. Während des Lesens, in den ‚Pausen’, nach dem Ende. Und immer noch bin ich unentschlossen.
Weil ich das Thema allgemein sehr heikel finde, scheue ich mich, mit so Floskeln wie ‚hat mich gut unterhalten’ zu beginnen – dabei hat es das. Ich habe ein paar Mal schallend gelacht. Aber noch öfter war mir geradezu übel von der Denke. Widerlich! Ekelerregend und so, irgendwie, ja, genau: Bescheuert.
Und doch traue ich Timur Vermes (und dem Eichborn Verlag) zu, dass er weiß, was er da getan hat und damit sein Ziel der Entlarvung erreicht.
Das diese auch die heutigen Zustände betreffen, finde ich gut – zumal sich zeigt: Der Nährboden ist durchaus vorhanden.
Beeindruckt hat mich die Art der Herangehensweise. Sich so in einen Charakter zu vertiefen stelle ich mir erstens anstrengend und zweitens schwierig vor. Sich davon zu lösen, die Distanz des Autors zu seinem Protagonisten zu wahren, das ist harte Arbeit. Ob es so Thrillerautoren geht? Psychopath ist schließlich Psychopath.
Einen stillen Moment, also für mich stillen, weil ich fast den Atem angehalten hätte vor Spannung, gibt es auch. Es war eine Szene, die das Biest hätte erlösen können, doch das geschieht nicht. Spätestens hier wird dem größten Optimisten klar, dass man gewissen Weltanschauungen nur im Gesamtpaket bekommt, und auch, wenn nicht Alles schlecht war, so verliert das ‚gute’ jegliche Daseinsberechtigung.

Doch dies ist eine Rezension und kein Glaubensbekenntnis.
Stilistisch bedient sich der Autor der bekannten Fabulierentgleisungen seines historischen Protagonisten. Als Stilmittel unbedingt vonnöten, künstlerisch ausgereift und durchaus wortgewandt. Auch die Fallstricke dessen umgeht er nicht, sondern benutzt sie hervorragend, um Absurdität und Wahnsinn darzustellen.
Insgesamt lässt sich das Buch also gut lesen und es gibt auch einige Spannungsmomente, die leider nicht zu dem von mir erhofften Ergebnis geführt haben.
Doch muss ich betonen, dass ich davon abrate ‚Er ist wieder da’ ohne gute geschichtliche Kenntnisse zu lesen. Erstens entgeht einem da so manche satirische Spitze und zweitens könnte ein falscher Eindruck entstehen.
Die Charaktere sind glaubhaft dargestellt, wenn auch selten sympathisch, eher abschreckend (vor allem in ihrer Glaubwürdigkeit).

Fazit?
Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben – aber auch froh, dass es aus der Bücherei ist und ich es nicht in mein Bücherregal stellen muss. Denn ein bitterer Nachgeschmack bleibt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen