Montag, 15. April 2013

Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück – Angelika Schwarzhuber


Taschenbuch, Liebeskomödie (Regionalromantik)



Der Inhalt
Hanna braucht einen Ehemann, um ihr Erbe zu bekommen.

Der Stil
Angelika Schwarzhuber schafft es auch mit diesem Buch nicht, mich stilistisch zu überzeugen. Die Sätze sind kurz, uninspiriert und oft hölzern. Wahrlich kein Feuerwerk der Formulierkunst. Mich stört so etwas, degradiert sie damit den Inhalt doch zu einer Trivialgeschichte und den Anspruch an sich selbst und die Leserin in die Gefilde der unteren Schubladen. Das finde ich sehr schade.

Die Geschichte
Ähnlich wie bei ‚Liebesschmarrn und Erdbeerblues’ gibt es auch hier eine Überraschung.
Denn diese Geschichte ist wunderbar aufgebaut und voller Irrwege. Obwohl dem aufmerksamen Leser von Liebesromanen natürlich sehr schnell klar wird, wer der Auserwählte sein wird, ist der Weg dort hin überraschend und interessant. Ich war jedenfalls kurz davor, mir die Haare zu raufen und auszurufen: ‚Wie soll es gehen?’.
Dazu noch die, ich nenn sie jetzt einfach mal Nebengeschichte, die den Leser (wohl eher die Leserin) auf eine Nebenspur führt, bis ein kleiner Hinweis Alles aufklärt und ich aufatmen konnte, mit einem Grinsen im Gesicht und dem Gedanken ‚ach so’. Fast wie im Krimi, wenn man einem Täter auf der Spur ist. Echt spannend.
Und es gab ein kleines Highlight, ähnlich dem Ufo, das bei ‚Das Leben des Brian’ auftaucht. Aha, er geht also doch, der Sprung aus der Masse der Liebesromane.

Die Frage
Wenn ich Angelika Schwarzhuber eine Frage stellen würde, wäre es folgende:
Haben Sie ‚Hundert Namen’ von Cecilia Ahern gelesen?
Und wenn ja, warum geht es dann um Schmuck und Jachten?

Das Äußere
Ich habe da einen Verdacht. Soll ich ihn äußern? Gut, ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster.
Seit einigen Monaten, vorher habe ich einfach nicht so richtig darauf geachtet, fällt mir auf, dass das Äußere der Bücher immer mehr aufgebrezelt wird. ‚Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück’ ist da ein gutes Beispiel: Klappbroschur, Prägedruck, innen niedliche Hühner, farblich einprägsam, gestaltete Kapitelüberschriften – so etwas gab es ‚früher’ selten und vielleicht mal bei gebundenen Bücher, Taschenbücher waren einfach und schlicht.
Jetzt habe ich einen Hingucker und Handschmeichler in der Hand, es macht Spaß, sich das Cover anzuschauen, vom Wiedererkennungswert ganz zu schweigen. Alles macht einen sehr liebevollen Eindruck, was mir gut gefällt.
Doch warum ist das so?
Damit ein Buch aus der Masse hervorsticht?
Sicherlich.
Damit gezeigt wird, dass es sich hierbei um die ‚Fortsetzung’ (keine Panik, es ist ein in sich abgeschlossener Roman, der keinerlei Vorkenntnisse erfordert) von ‚Liebesschmarrn und Erdbeerblues’ handelt?
Ganz bestimmt.
Aber ich habe den Verdacht, dass sich damit die gedruckten Bücher einfach gravierend von den E-Books unterscheiden sollen. Nicht funktionelle Technik, bei der nur der Inhalt überzeugen kann, sondern die Renaissance der Buchgestaltung. Bevor Bücher zur Massenware verkamen, waren sie wertvoll, selten und Kleinode. Jetzt ändert sich das ein wenig. Das gefällt mir, wie ich zugeben muss. Das Rundumerlebnis Buch ist eine gute Sache und ich kann mir vorstellen, dass auf diese Art Lesemuffel wieder angesprochen werden.

Das Hach-Gefühl
Es gibt Bücher, die liest man, wo man gerade geht und steht. Man verschlingt sie, will sie erfahren, erleben und die Lösung wird herbeigesehnt, während es gleichzeitig niemals enden darf.
Bei ‚Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück’ ist das anders. Ich liebe sie, diese Bücher, die ich nur auf meinem Sofa lesen möchte, wenn es draußen ungemütlich ist, dick eingemummelt in eine dicke Decke. Dazu eine gute Tasse Kaffee (oder Tee), ein wenig Gebäck oder anderer Süßkram, vielleicht auch ein paar Chips, je nach persönlichen Bedürfnissen. Diese Wohlfühlbücher, die einem einfach ein angenehmes Gefühl bereiten, während rundum Alles grau erscheint, sind ein ganz besonderes Erlebnis. Das Hach-Gefühl nenne ich das. Beim Vorbereiten des Erlebnisses, beim Öffnen des Buches, den ersten Sätzen, dem Stück Schokolade zwischendurch, dem Schluck Kaffee, der doch wieder kalt geworden ist, die letzten Sätze und endlich das Schließen des Buches: Hach!
Ein perfekter Nachmittag.

Die Kuchen
Auch in diesem Buch spielen Rezepte eine wichtige Rolle, ein schönes ‚Markenzeichen’ – aber ich werde ganz kirre, wenn ich an die Überraschungstorte denke. Da lag ich auf meinem Sofa mit dem Gedanken, dass eine Diät vielleicht keine so schlechte Idee wäre (auch angeregt durch einige Textpassagen), und dann kommt die Beschreibung dieser Torte. Und das Rezept im Anhang. Nein, ich werde es nicht ausprobieren – ich werde den Rest meines Lebens davon träumen!

Fazit?
Angelika Schwarzhuber entwickelt sich. Ihre Phantasie wird leider noch ein wenig vom Stil gebremst, aber ich glaube fest daran, dass sich das geben wird. Und ich freue mich schon sehr auf ihr nächstes Buch.

Ich danke dem Blanvalet-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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