Montag, 8. April 2013

Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind? – Hervé Jaouen


Gebundene Ausgabe, Jugendroman

:DD:DD:DD
(5 Sterne)

Der Inhalt
Die 13jährige Véro berichtet über ihre Familie und ihre an Alzheimer erkrankte Großmutter.

Der Titel
Darüber habe ich mich aufgeregt. Warum wurde der deutsche Titel so reißerisch-unpassend gewählt, wenn der französische doch so viel passender ist? Und dieser Satz so auch gar nicht gesagt wird, damit also auch noch sinnentstellt ist. Der Titel und das Titelbild vermittelt den Eindruck, als handele es sich hier um ein zwar amüsantes, aber wenig tiefgründiges Buch.

Die Faszination
Es gibt nur wenige annähernd traurige Momente, vielmehr wird die Geschichte besonders zu Beginn eher überdreht geschildert und ich habe sehr über die ‚Schrullen’ der Großmutter gelacht. Die pubertären Probleme der Teenagerin (eher lächerlich), die familiären Konstellationen (in Variationen bekannt), so weit nichts Besonderes.
Der Zauber entfaltet sich im Hintergrund, in der leise gestellten Frage, wer denn nun Pablo ist. Und was mit ihm geschah.
Und wie das mit den vergessenen Erinnerungen ist.
Da wird mir ganz philosophisch.
Wie ist das mit dem Baum, der im Wald umfällt? Wenn es keiner hört, macht er dann auch kein Geräusch?
Wenn ein Mensch seine Erinnerungen verliert, hat er dann nie gelebt? Und die, die in seinem Leben eine Rolle spielten, auch nicht?
Das macht traurig. Mich jedenfalls.
So bedeutet die Krankheit Alzheimer nicht nur ein persönliches Schicksal, sondern zieht große Kreise – abgesehen von dem Umgang der Familie mit dem Angehörigen.
Und zeigt, dass jeder Mensch Teil von etwas ist, das über seine eigene Person hinausgeht.

Der Stil
Locker-flockig, aber auch sehr liebevoll berichtet Véro, immer angemessen, doch wenig pathetisch. Damit vermittelt der Autor das Thema meiner Meinung nach altersgemäß, eindringlich, allerdings nicht verängstigend.
Das Bild ist einfach rund.

Fazit?
Ein schöner Roman über eine erschreckende Krankheit, der erklärt und Wege mit dem Umgang zeigt, dabei aber nicht beschönigt. Empfehlenswert.

Ich danke bloggdeinbuch und dem Urachhaus-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Bestellt werden kann es auch hier

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