Freitag, 28. Juni 2013

Stirb mein Prinz – Tania Carver


Klappbroschur, Thriller



Die ersten Seiten dieses Thrillers sind sehr gruselig – aber das war es dann auch schon zum Thema Spannung und Thriller. Oder um es anders auszudrücken: ich habe mich zu Tode gelangweilt.
Leider ist dies der dritte Teil einer Serie, was wohl auch dazu geführt hat, dass ich mich in keinster Weise mit den Protagonisten anfreunden konnte. Allerdings schwebt über allem eine so dichte Wolke des grauen Einerleis, dass ich mich nicht dazu zwingen werde, auch nur noch ein Buch von Tania Carver zu lesen.
Nein, es ist kein schlechter Thriller, aber es ist genau die Art von Thriller, die mir das Genre verleidet.
Übrigens dachte ich an so mancher Stelle, was ein anderer Autor aus dieser Geschichte hätte machen können.

Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was für mich einen guten Thriller ausmacht.
1. Die Protagonisten, also das ‚Ermittlerteam’ und ihre Angehörigen. Hier erwarte ich interessante Charaktere, deren Entwicklung ich genauso interessant finden möchte, wie das eigentliche Verbrechen bzw. die Handlung.
2. Eine psychologische Erklärung, die mich davon überzeugt, warum der Täter tut, was er tut. Und bitte nicht ‚er hatte eine harte Kindheit’.
3. Humor! Trotz all der Schrecknisse, einen Bezug zu den Protagonisten bekomme ich genau dann, wenn sich meine Mundwinkel nach oben ziehen. Ich kann einfach nicht über 500 Seiten lang tief betroffen sein. Außerdem werden so die Personen dreidimensional. Und es hält mich bei der Stange, wenn ein Autor meint, eine Serie schreiben zu müssen. Es sind die außergewöhnlichen, vielleicht auch exzentrischen Figuren, die man liebt, nicht die dauerdepressiven.
4. Spannung! Diese kann auf unterschiedliche Art und Weise erreicht werden. Der Klassiker ‚Verfolgung’ liegt mir persönlich nicht so, der schnelle Szenenwechsel, den viele Autoren inzwischen als Stilelement entdeckt haben, finde ich langsam langweilig. Allerdings bin ich letztens bei einem Buch aus einem ganz anderen Genre auf ein anderes Stilmittel gestoßen: der Cliffhanger. Ein Beispiel: Beim Lesen denkt man ja häufig ‚ach, dieses Kapitel lese ich noch, dann…’. Im besagten Buch endete beinahe jedes Kapitel mit einem Cliffhanger, der vereinfacht zum Beispiel so klingt: ‚Es klopfte an der Tür.’
Natürlich wollte ich wissen, wer um Himmels Willen denn nun an die Tür klopfte. Also las ich auch das nächste Kapitel – und war immer noch nicht zur Toilette gewesen – das damit endete: ‚Das Telefon klingelte.’ ARGH! Natürlich nutzt sich auch das ab, natürlich passt es nicht auf jede Geschichte, aber um Spannung zu erzeugen braucht es eben manchmal keine geschickten stilistischen Schachzüge, sondern einfach nur einen Appell an die menschliche Neugier.
5. Macht es nicht so kompliziert. Eine Geschichte ist dann interessant und spannend, unterhaltsam und lustig, wenn sich der Autor ‚normale’ Menschen vor Augen führt. Ihre kleinen Gewohnheiten, der alltägliche Ablauf. Hier ergibt sich schon viel Potential. Statt sich immer wieder neue ekelerregende Szenarien auszudenken, stelle ich immer wieder fest, dass es ganz andere Dinge sind, die mich erschaudern lassen. Noch ein Beispiel? Ok, diesmal aus der Filmwelt. Es gibt ja nun haufenweise Horrorfilme, in denen das Blut nur so spritzt und blonde Frauen schreien. Aber richtig, richtig Angst bekam ich bei einem Schwarzweißfilm, der nur mit Schatten und Tönen gearbeitet hat. Ein bisschen Kerzenlicht, ein paar Fratzen in der Stuckverzierung, das ist Horror.
Ähnlich ist es bei Thrillern (Büchern). Das, was mich persönlich trifft, macht mir Angst. Also nicht der Folterkeller. Die Chance, in so etwas zu landen, sehe ich als eher gering an. Aber lebendig begraben zu werden, das ist schon etwas anderes. Wenn der Thriller diese Urängste trifft, dann ist er gut. Wenn er den Leser zum Zuschauer sadistischer Spiele macht, die fernab der (angeblichen) Realität stattfinden, der kann mich nicht reizen.

Fazit?
Ein langweiliger Thriller, der sich eines allzu bekannten Schemas bedient.

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