Freitag, 12. Juli 2013

Papa und die Motorradrocker – Carl Heyd


Kindle, E-book, Humor



Das Konzept, das hinter dieser (ich suche immer noch nach einer passenden Genre-Bezeichnung)(der Autor selbst nennt es ‚Satire’) Geschichte steckt, hat mich beeindruckt. Ein Mann, der als Privatdetektiv arbeitet und seiner Tochter seine Erlebnisse berichtet, inklusiver persönlicher Ansprache, deutet auf ein gutes Konzept hin. ‚Papa’ selbst, nein, keine Chance, der Name wird nicht verraten, ich kenne ihn selbst nicht, ist ein Großmaul mit Tendenz zur Sauferei, der zu Allem und Jeden eine Meinung hat und diese auch offen kundtut. Sympathisch? Ich bin mir da nicht so sicher. Wahrscheinlich wünscht man sich so jemanden zum guten Kumpel, wenn man mal richtig Probleme hat, aber als Freund? In der eigenen Wohnung? Im Kontakt mit anderen Freunden? Der Familie gar? Ich bin mir da nicht sicher! Er ist schon ziemlich prollig.
Aber sei’s drum, so ein richtiges Ekel ist er nicht.
Aber zurück zum Konzept. Carl Heyd plant eine Papa-Serie, der Titel für die nächste Geschichte steht auch schon fest, und die ganze Sache soll in einem jeweiligen Abstand von drei Monaten veröffentlicht werden. Guter Plan, finde ich, zumal es damit auch das Genre in Richtung ‚Heftroman’ drängt, vielleicht in der Tradition von Dashiell Hammett – aus irgendeinem Grund hatte ich anfangs immer Humphrey Bogart vor Augen. Wobei Dashiell Hammett natürlich keine Heftromane geschrieben hat, aber wenn man Erscheinungstermine plus … ach egal.

Die weitere Idee hinter der Geschichte ist das Auftauchen seltsamer Wesen in der Realität – und ich sage noch, das mit dem Genre ist schwierig.

Was mich beeindruckt hat ist der Stil. Konsequent bis zum Ende zieht der Autor die schnoddrige, kotzige Art durch, und zwar auf einem wunderbar gehobenen Niveau. Egal, um welche Situation oder Meinungsäußerung es gerade geht, Carl Heyd hält die Messlatte hoch, ohne dabei hochnäsig zu sein. Zur Not wird ein Schimpfwort eingebaut, um wieder in Augenhöhe zu kommen. Perfekt, gefällt mir.
Und seine Meinungen sind interessant und wunderbar offen.

Doch es gibt auch ein paar Dinge, die mich gestört haben. Das Einstreuen von Markennamen zum Beispiel wirkt für mich wie Rumgeprotze, und das mag ich nicht. Oder geht es hier um product placement? Nein, ich mag es nicht.
Auch die Art, wie sich ‚Papa’ am Telefon meldet hat mich genervt. Wobei ich mir da nicht so sicher bin, ob das nicht ein running gag sein soll, weil es so doof ist.
Und die Einleitung hat mir auch nicht gefallen, weil ich diese Art von Gemotze nicht mag.

Fazit?
Qualitativ überzeugend, mit kleinen ‚subjektiven Makeln’, insgesamt eine tolle Idee und ja, ich gebe es zu, ich möchte sehr gerne die Fortsetzung lesen. Wann kommt die raus? Im September?

P.S.: Und jetzt, nachdem ich das Buch gelesen und die Rezension geschrieben habe, muss ich dermaßen über den Namen des Autors lachen – manche Witze brauchen etwas länger, sorry!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen