Donnerstag, 31. Oktober 2013

Die kleine Buchhandlung vor Ort

Kleine Anekdote
Als ich vor vielen, vielen Jahren mal in einer Buchhandlung bemerkte, dass ich einen Titel bereits kennen würde, allerdings von einem anderen Autor, zickte mich die Buchhändlerin an, das könne gar nicht sein, da jeder Titel nur einmal vergeben wird. Sie hatte nicht Recht. Und heutzutage ist das wohl eher utopisch.

Gibt man z.B. das Wort 'Dämon' bei amazon ein, hat man gleich mehrere Treffer (mit leicht abgewandelter Schreibweise). Weiterer Effekt dieses Intermezzos: ich fürchte mich vor dem vernichtenen Schlag von Buchhändlern, die meinen, sie wüssten ALLES besser als ich. Da flüchte ich gerne in die Anonymität anderer Plattformen.

Und an diese Geschichte muss ich immer denken, wenn jemand schreit: Unterstützt die Buchhandlungen vor Ort.

In meiner Stadt gibt es inzwischen nur noch 3 1/2 Buchhandlungen. Die Halbe ist die Bahnhofsbuchhandlung, die zwar ein großes Angebot an Büchern hat, sich diese aber eher auf Bestseller bezieht und einem Durchreisenden einfach nur Unterhaltung bieten möchte. Ist aber nicht abwertend gemeint.
Also drei Buchhandlungen.

Zwei davon sind alteingesessen, eine davon gut besucht mit regelmäßigen Veranstaltungen, allerdings eher hochnäsiges Personal. Entweder man wird gar nicht bedient oder herablassend behandelt. Die Auswahl ist eher bescheiden, aber bestellen funktioniert bestens zum nächsten Tag. Auch bekommt man dort allerlei anderes Geboten, wie z.B. Postkarten und christliches Gedöns.

Die andere zeichnet sich über eine tolle Schaufenstergestaltung aus, nicht, weil sie so geschmückt ist, sondern weil man dort viele, viele Bücher sieht, mit Schwerpunkten und netten kleinen Preisschildern. Ich liebe se, dort mal genauer hinzuschauen. Drin war ich allerdings höchstens fünf Mal in meinem Leben. Es ist ein kleiner Raum, vollgestopft mit Büchern und Regalen (sinnvoll in einer Bibliothek, verkaufstechnisch eher das Grauen) und es ist nie jemand drin. Außer dem netten Buchhändler. Irgendwie stimmt das Ambiente nicht. Und ich habe mich schon oft gefragt, wie sich das rentiert.

Die dritte gehört zu einer Kette. Die Räumlichkeiten sind riesig, man wird fast erschlagen von dem dortigen Angebot, kommt kaum durch die Gänge, aber es gibt wirklich ALLES! Angefangen vom Eierbecher bis zu abgedrehten Fachbüchern, hier kriegt man es. Das Fachpersonal ist bemüht, manchmal unfreundlich, manchmal supernett, kommt ganz auf die Tagesform an. Und es gibt sogar eine Lümmelecke mit Büchern, die man lesen kann. Und Kaffee.

Wenn ich einfach mal so bummeln will oder Buch-Zubehör suche, gehe ich in die mit dem großen M (nein, nicht Mc...). Dort geht es anonym zu, ich werde nicht sofort nach meinen Wünschen gefragt, sondern erst, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Sehr angenehm.
Wenn ich eher spontan mal schauen möchte, ob ein bestimmtes Buch da ist, gehe ich in die erste Buchhandlung, nur um immer wieder festzustellen, dass ich mich dort nicht wohlfühle.
Wenn ich nicht das finde, was ich suche (ohne zu fragen oder bestellen zu lassen), dann gehe ich in die zweite. Die haben das Gesuchte dann zwar auch nicht, aber ich weiß dann, dass ich es aus Bequemlichkeit doch lieber online bestelle, weil ich keine Lust habe, am nächsten Tag erneut in die Stadt zu müssen.

Unfreundlichkeit + unbequem => online.

Wenn jemand fordert: 'Unterstützt die Buchhandlungen vor Ort!' dann muss vor Ort auch etwas adäquates vorhanden sein. Für jemanden wie mich, der meist gebrauchte Bücher kauft, die nicht unbedingt auf Bestsellerlisten zu finden sind, oder solche, auf die etablierte Buchhändler eher naserümpfend reagieren oder keine genauen Aussagen machen wollen/können (z.B. über Erscheinungstermine), die gerne auf Bücher wartet, aber dafür nur bedingt insgesamt zwei Stunden Fußweg investieren will, der ist online einfach besser bedient. Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken, in mich gehen und meine Meinung ändern. Aber momentan ist es so, wie es ist.

Was meint ihr dazu?

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