Samstag, 5. Oktober 2013

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - Rachel Joyce


E-Book, Roman



Seit langer Zeit habe ich mit diesem Buch geliebäugelt, und das ich es jetzt lesen konnte, hat mich sehr gefreut. Und zuerst scheint auch Alles gut. Doch im Laufe der Geschichte wird es zum Teil sehr abstrus und wie ein Strudel, in den der Leser (also ich) gesogen wird. Vergangenheit wird 'lebendig', alte Geschichten treten zu Tage und verändern immer wieder die Sicht auf die Dinge.
Geradezu lächerlich empfand ich die 'Anhängerschaft', zeigt er doch nur, wie wir Menschen manchmal ticken, wenn jemand eine Sandale zurücklässt. Ja, genauso kam es mir vor, sorry. Und ein bisschen wie ein Lückenfüller.

Und doch habe ich ein paar Tränen vergossen, habe mit angstgeweiteten Augen gelesen, gefesselt, gebannt von einer Geschichte, die so ganz anders ist, als man zuerst vermutet.

Rachel Joyce versteht es wunderbar, den Leser auf die falsche Spur zu schicken. Mich hat das überrascht und auf einem falschen Fuß erwischt. Schön, wenn ein Buch das vermag.

Stilistisch ist es wunderbar zu lesen, sehr authentisch und gefühlvoll - und ohne auch nur einmal zu verurteilen oder zu moralisieren.
Ansonsten ist es very british wie ich finde. Die Autorin beobachtet und beschreibt, wahrt eine gewisse Distanz zur Handlung und den Protagonisten und lässt erst gegen Ende wirkliche Gefühle zu. Dann jedoch wird es heftig.

Fazit?
Es hat sich für mich gelohnt, dieses Buch zu lesen, weil es eine wunderbare Charakterstudie ist, die mir vor Augen führt, dass ein gepflegter Vorgarten nichts mit dem Inneren der Menschen und ihrer Geschichte zu tun hat.

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