Freitag, 6. Dezember 2013

Celia Garth - Gwen Bristow


gebundene Ausgabe, historischer Roman


eines meiner Alltime-Lieblingsbücher

Wann genau dieses Buch erschienen ist, kann ich leider nicht nachvollziehen, ich tippe aber auf die Fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts im Original. So weit ich mich erinnern kann, stand es immer im Bücherregal meiner Eltern, müsste in Deutschland also etwa in den Sechzigern erschienen sein.
Das erklärt den Stil und die Wortwahl, die inzwischen sehr veraltet und teilweise politisch unkorrekt ist. Für mich waren es auf alle Fälle zwei Zeitreisen!

Der Inhalt
Natürlich geht es um Celia Garth, die in Charleston und Umgebung während des Unabhängigkeitskrieges lebt. Ob diese Figur historisch belegt ist oder nicht, ist einerlei, die Ereignisse sind es auf alle Fälle.

Die erste Zeitreise
Ich habe dieses Buch in meiner Jugend (also vor etwa 30 Jahren) mehrfach gelesen und es hat mich immer wieder in seinen Bann gezogen. Und auch, als ich es vor ein paar Tagen in die Hand nahm und die ersten Sätze las, war ich wieder die, die ich mal war. Neugierig auf die Geschichte - ich konnte mich na sehr viele Details erinnern - las ich oft mit leuchtenden Augen. Ja, es war ein Schritt in meine Jugend und an viele Leseerinnerungen.

Die zweite Zeitreise
Durch die oft antiquierte Sprache und auch durch die Beschreibungen Gwen Bristows war es mir möglich, komplett in die Zeit zu rutschen, in der die Geschichte spielt. Wobei ich zugeben muss, dass mir manche Teile gar nicht mehr so grausam vorkamen. Erfahrung härtet ab. Trotzdem hatte ich eine schöne Kopfkino-Zeit.

Der Stil
Wie wundervoll! Wie bereits erwähnt, zeitweise etwas antiquiert, aber von einem ganz besonderen Charme. Besonders aufgefallen ist mir hier die indirekte Rede, die oft sehr nah an der direkten zu finden ist. Das macht heute keiner mehr! Inzwischen scheint die Devise entweder-oder zu sein und das ist einfach. Die Verknüpfung macht Spaß. Auch gibt es kein 'das macht Sinn', dieser Spruch, den ohne Zweifel schludrige Übersetzer in die deutsche Sprache gebracht haben. Mein persönliches Highlight ist die Abgrenzung zwischen 'ich liebe dich' und 'ich hab dich lieb', die an einer Stelle ausdiskutiert wird. Vielen Dank an Fritz Helke dafür. Ich jedenfalls zucke immer zusammen, wenn irgendwo ein Vater zu seiner Tochter 'ich liebe dich' sagt, nur weil es diesen Unterschied im Englischen nicht gibt.
Ich glaube, es liegt daran, dass 'früher' nicht so viele Bücher erschienen und ein Verlag mehr Muße hatte, sich um ein Manuskript zu kümmern. Das bemerkt man übrigens auch am Lektorat insgesamt. In diesem Buch habe ich zwei Fehler gefunden, einmal ein falsch gesetztes Anführungszeichen und ein Mal wird aus einem Taschentuch ein Taschenbuch (ich habe gelacht). Es ist handwerklich (fast) ohne Fehl und Tadel.

Das Innere
Meine Ausgabe hat 399 Seiten. Aber es sind relativ große Seiten mit kleiner Schrift und wenig Zeilenabstand. Aus heutiger Sicht wären es also eher über 600 Seiten. Ist nichts für Augenkranke und hat mein Lesetempo ziemlich gedrosselt. Mich aber auch sensibler für den Inhalt gemacht.

Fazit?
Ein erneutes Lesen hat mir nicht irgendwelche Illusionen geraubt, nein, 'Celia Garth' bleibt eines meiner Lieblingsbücher, das ich auch in dreißig Jahren lesen kann.

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