Samstag, 28. Dezember 2013

Hemmungslos - Hugo Bettauer


kindle, Krimi



Ich weiß nicht so recht, was ich von diesem Buch halten soll, kommt es mir doch zuweilen ein wenig, nein, es ist einfach ein Spiegelbild seiner Zeit. Und damit einwandfrei. Wortwahl und Gesinnung waren, wenn auch verwerflich im Hinblick auf zukünftige Geschehnisse, normal und sollten für den Leser unserer Zeit als solche hingenommen werden. Das Bild relativiert sich eh im Laufe der Handlung. Und des persönlichen Schicksals des Autors.

Stilistisch hat mich auch dieser Roman gleich gepackt, es ist einfach wunderschön, wie Hugo Bettauer die Wörter anneinanderreiht und damit das Gemälde seiner Zeit malt.

Inhaltlich habe ich mich sehr gewundert, entbehrt der Text doch einer gewissen Leichtigkeit, die ich erwartet hatte. Im Gegenteil werden gar schreckliche Verbrechen geschildert und der Leser selbst wird in einen Strudel der moralischen Entrüstung gezerrt, der sich am Ende jedoch beinahe ins Gegenteil verkehrt.
Der Autor übertreibt in dieser Handlung, jedoch geschieht dies nur, um ein anderes Problem darzulegen. Und dieses schließlich ist es, was zum Nachdenken anregt und so manches erklärt. Jedenfalls für mich.
Eine Frage zum Beispiel ist diese: Wie kann man etwas moralisch verurteilen, so abscheulich und fern jeder Menschlichkeit es auch zu sein scheint, wenn man nicht wenigstens annähernd Ähnliches erlebt hat? So können 'Krisen' durchaus das Beste in einem Menschen bewirken - aber auch das Schlechteste. Und wir, fernab jeglicher körperlichen oder auch seelischen Bedrohung, dürfen darüber nicht in dem Maße urteilen, wie es jemanden zusteht, der es erlebt hat.
Dies ist natürlich kein Freifahrtsschein! Darf es nicht sein!
Aber das ist das Spiel, auf das sich der Leser einlassen sollte, um 'Hemmungslos' in all seinen Facetten erfassen zu können.

Fazit?
Hugo Bettauer ist definitiv einer meiner Lieblingsautoren.

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