Montag, 13. Januar 2014

Die Toten im Schnee – Giuliano Pasini



Taschenbuch, Krimi



Selten musste ich so gegen das Bedürfnis ankämpfen, den Inhalt eines Buches zu verraten, wie jetzt und hier bei diesem Krimi. Und es fühlt sich sehr unzulänglich an, bloß über Stil und Lesbarkeit zu schreiben. Schließlich beinhaltet ‚Die Toten im Schnee’ eine Geschichtsstunde der besonderen Art.

Aber ich fange von vorne an.

Das Cover ist erst einmal eher unauffällig, wobei die Farben rot und weiß natürlich ‚Programm’ sind. Die Schrift ist erhaben und rau, was sich wie ein Ziegelstein anfühlt, wenn man mit den Fingernägeln drüberstreicht. Ein Cover mit Überraschungen also.

Und ja, ich gebe es zu, ich hatte massive Schwierigkeiten in den Text und die Ausdrucksweise zu finden, enthält beides doch einen gewissen Anspruch. Auch scheint das ‚Geschehen’ anfangs etwas wirr. Doch schnell erschließt sich die Aussage und die Poesie. Ein durchaus poetischer Krimi also.
Allerdings ist das bedrückende Gefühl der ersten Morde kaum auszuhalten. Und ja, dieses Gefühl blieb während des kompletten Buches und löste sich erst am Ende ein wenig auf. Aber auch da blieb mein, nun, nennen wir es ruhig Unbehagen.

Die Protagonisten sind wunderbar plastisch gezeichnet, ihre Handlungen nachvollziehbar, wenn auch an manchen Stellen mehr als ärgerlich. So geht mir Alice zuweilen mächtig auf die Nerven. Oder die Beschreibung der Kochvorgänge, die sehr appetitanregend sind. Das leicht Abgehobene finde ich nun nicht so unrealistisch, dass ich es nicht nachvollziehen könnte. Im Gegenteil ergibt sich daraus eine ganz besondere Tiefe, wie ich finde. Und ‚Tiefe’ ist auch das Zauberwort in diesem Krimi, der Psychologie vom Feinsten bietet, sowie den schmalen Grat zwischen moralischer Entrüstung und Verständnis.

Der Stil ist stellenweise brachial in seiner Beschreibung, teilweise poetisch, immer aber dem Geschehen angemessen und von unglaublicher Genauigkeit in der Wortwahl.

Fazit?
Selten habe ich so ein Buch gelesen, das in mir nachhallt und meine Gedanken fesseln konnte. Absolute Leseempfehlung!

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