Mittwoch, 23. Juli 2014

Der Untergang der Welt - Juel Larsen


e-Book, historischer Roman



Ja, dieses Buch ist ein historischer Roman und er spielt während bzw. mitten im ersten Kreuzzug.
Doch neben all den historischen Zusammenhängen und Personen, erzählt Juel Larsen auch eine ganz andere Geschichte - jedenfalls für mich.
Denn was hier mit sehr viel Ironie beschrieben wird, ist nicht nur ein Sittengemälde der Zeit um 1095, sondern auch ein Spiegelbild des Menschen im ganz Allgemeinen.
Neben der Absurdität der gesamten Aktion - Hunderttausende machen sich auf den Weg, um Jerusalem zu befreien, also ehrlich, jede Völkerwanderung war Kinderkram dagegen - sind auch die 'Kreuzfahrer' nicht ohne, Menschen eben, die sich ihre Welt so zurechtbiegen, bis sie beinahe bricht. So sind es auch die kleinen Geschichten, zwischenmenschliche und historische, die mir die Tränen in die Augen getrieben haben. Sei es aus Ungläubigkeit (wie doof sind die eigentlich) oder auch aus der Fassungslosigkeit darüber, dass sich doch im Grunde nichts geändert hat. Oder einfach, weil Juel Larson es so gut versteht, die Zwischentöne wiederzugeben, kleine Spitzen zu verteilen und doch gleichzeitig auch den Zeitgeist nicht unberücksichtigt zu lassen.
Dies ist definitiv kein historischer Roman, den man in jeder Bahnhofsbuchhandlung findet, sondern vielmehr ein leicht satirisches Werk mit Bildungsauftrag, der neben Fakten jedoch das pralle Leben darstellt.
Allein der Satz mit den ritterlichen Tugenden (erst vergewaltigen und dann töten) zeigt vielleicht, was ich meine.

Stilistisch hat mich 'Der Untergang der Welt' schon von den ersten Sätzen her überzeugt. Ja, der Mann kann schreiben (wen wundert es?) und er benutzt Sprache wie eine Nadel, die mal hierhin, mal dahin sticht. Immer treffsicher, immer pointiert und immer so, dass das Kopfkino beinahe Probleme hat, weil viele Bilder nicht so sind, wie es eben scheint und man 'nachbessern' muss.

Das Nachwort allerdings hat mich irritiert, denn glaubte ich doch, die allgemeine Kritik am Menschen auch auf die heutige Zeit übertragen zu können, so bezieht sich der Autor hier auf eine Zeit vor dem Kreuzzug, um zu erklären, wie 'verpeilt' die Menschen waren. Waren? Doch diese Entscheidung überlasse ich gerne anderen Lesern.
Mich hat das Buch wunderbar unterhalten - und es war definitiv nicht so, wie ich es erwartet hatte.

Fazit?
So macht Lesen Spaß! Und Geschichte sowieso!

Vielen Dank an dotbooks für das Rezensionsexemplar - und besonders an Susann, die mich quasi zwang, dieses Buch zu lesen. Es war genau die richtige Entscheidung!

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