Montag, 8. September 2014

Deutscher Meister – Stephanie Bart


gebundene Ausgabe, Roman



‚Deutscher Meister’ ist ein Buch, dass ich am liebsten nicht gelesen hätte. Der Einstieg fiel mir sehr schwer, was auch an dem an sich wundervollen Stil liegt. Der erinnert mich sehr stark an Hugo Bettauer, dieser leicht ironische Unterton, der zwischen den Zeilen bewertet, sich aber ansonsten in dem Schwelgen in Worten beinahe verliert. Allerdings war das zusammen mit den fürchterlich vielen Nebensträngen sehr anstrengend. Und darauf hatte ich wenig Lust. So legte ich das Buch also an die Seite. Aber als ich dann weiterlas, war ich fasziniert.

In dem Buch geht es um Boxen – ein Thema, das mich nur wenig interessiert. Allerdings versteht es Stephanie Bart so detailgetreu zu beschreiben, dass die Kämpfe doch sehr interessant waren. Und das gerade auch durch die verschieden Nebenschauplätze. So wachsen einen die Nebendarsteller doch sehr ans Herz und bieten einen sehr authentischen Blick in eine andere Zeit. Während des Lesens habe ich mich oft gefragt, woher die Autorin ihre Informationen hat. Oder ob ziemlich viel ‚erfunden’ ist. Ich weiß es nicht. Und vielleicht möchte ich das auch gar nicht. Denn so kann ich mir vorstellen, dass es Tagebücher gibt, Briefe und vielleicht sogar Interviews mit Augenzeugen.

Stilistisch ist ‚Deutscher Meister’ ein ganz besonderes Highlight und schon jetzt alleine deswegen eines meiner Lieblingsbücher 2014, und ich denke, Stephanie Bart könnte über jedes Thema für mich interessant schreiben. Auch zum Beispiel über die Aufzucht von Kaulquappen – ihr wisst, was ich meine. Es ist einfach die völlige Beherrschung der Sprache, der Aufbau der Sätze, kleine Stilmittel, die dieses Buch zu einem Juwel der Fabulierkunst machen, Alles aus einem Guss und wunderbar rund.
Nur in einem Kapitel weicht die Autorin davon ab, immer noch sehr gut geschrieben, aber der Tonfall ist ein anderer, und an der Stelle auch wieder genau passend.

Fazit?
Ein Buch, das ein mehr als in einer Hinsicht schwieriges Thema ‚verarbeitet’ und dabei ein Meisterwerk ist. Anspruchsvoll und unterhaltsam fordert es vom Leser sehr viel, bietet als Gegenleistung aber auch sehr viel.

P.S.: Unter anderem wurde 2012 das Leben von Johann Rakeli Trollmann unter dem Tiel 'Gibsy' verfilmt.

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