Montag, 20. Oktober 2014

Der Fall Collini – Ferdinand von Schirach


gebundene Ausgabe, Roman



Dieses Büchlein fiel mir in die Hände und ich habe es aus mehreren Gründen gelesen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.

Die Geschichte als solche ist fesselnd, wenn auch erschreckend. Nicht nur die Tat als solche, sondern auch das, was dann, besonders mit dem jungen Rechtsanwalt, geschieht. Leider lässt der Autor den Figuren selbst zu wenig Raum, um sich zu entwickeln. So bleibt die Distanz sehr groß, man weiß zwar, was gemeint ist, aber es bleibt doch irgendwie diffus und zweidimensional. Doch sicherlich geht es Ferdinand von Schirach auch um etwas anderes, nämlich um das Aufzeigen eines Missstandes – und er benutzt das Medium ‚Roman’ eher halbherzig, wie es mir erschien.

Umso mehr sind die Stärken in der Historie zu sehen, um das Heranführen des Lesers an Taten und Geschehnisse, die lange zurückliegen und dennoch ihre Kreise ziehen.
So bleibt das Ende zwar ‚ungerecht’ aber doch nachvollziehbar, auch wenn mir der Satz ‚der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen’ in den Sinn kam. Etwas lieblos, aber an Dramatik kaum zu überbieten.

Stilistisch wahrt der Autor die Distanz, als solle der Leser zwischen den Zeilen lesen, sich sein eigenes Bild machen, nur geführt von wenigen Informationen, wenigen Emotionen. Und so blieb mir nur ein gewisses taubes Gefühl, aus dem sich erst langsam ein Bild herauskristallisierte. Sicherlich ein gutes Mittel zum Transport der ‚Botschaft’, doch auch ein wenig unbefriedigend.

Fazit?
Ergreifend, mit viel Raum für eigene Gedanken. Als Roman für mich zu wenig.

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