Freitag, 24. Oktober 2014

Der Palast der Borgia – Sarah Dunant



Taschenbuch, historischer Roman



Meiner Meinung schafft es Sarah Dunant mit ‚Der Palast der Borgia’, einem zwar turbulenten, aber doch auch sehr faktenlastigen historischen Familie wunderbar Leben einzuhauchen.
Wie ihr das gelingt?
Durch eine sehr ironische, zum Teil beinahe liebevolle Art und Weise des Erzählens.
Fast entschuldigt sie die Vorgehensweisen, zeigt aber sehr deutlich, dass die Borgia irgendwie auch Kinder ihrer Zeit waren, verurteilt also nicht moralisch aus heutiger Sicht. Außerdem schildert sie die durchaus verwirrenden Tatsachen und die handelnden Personen sehr eindringlich und bildhaft, sodass sie aus dem Archiv der Geschichte steigen und zu dreidimensionalen Personen werden, etwas, dass mir sehr nahe gegangen ist.
Kleines Beispiel?
Burchard, der als ‚Assistent’ Alexanders allabendlich in sein Tagebuch schreibt. Und über fünfhundert Jahre später ‚hört’ man seine Stimme durch die Worte einer Autorin. Das ist faszinierend, wie ich finde, zumal wir uns nur durch Augenzeugen ein Bild machen können, die natürlich subjektiv berichten.
Und hier unterscheidet Sarah Dunant zwischen Freund und Feind, tendiert eher zu Freund und beschreibt ansonsten distanziert, wie ich finde, sehr angemessen.

Und diese Sicht auf die Dinge spiegelt sich im Stil wider, statt schwülstige, gefühlsduselige Beschreibungen abzuliefern, behält sich die Autorin ein gewisses Augenzwinkern vor, beschreibt eher beschwingt, außer in sehr wenigen Szenen, die dadurch nur umso intensiver wirken. So ist eben eine Vernunftehe eine Selbstverständlichkeit, der Verlust eines geliebten Menschen aber emotional katastrophal.

Fazit?
Ein sehr gut recherchierter historischer Roman, der neben Fakten sehr viel Menschliches vermittelt, ohne nur ‚unterhalten’ zu wollen.

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