Freitag, 10. Oktober 2014

Der Tote und das Mädchen – Martina Bick



e-Book, Krimi



Was für ein irritierendes Buch!
Warum?
Weil ich es am Anfang zeitlich überhaupt nicht einordnen konnte.
Da wird im Büro geraucht und das Protokoll mit der Schreibmaschine aufgenommen!? Aber lustig mit dem Flugzeug rumgegondelt. Also doch nicht kurz nach, nun, ihr wisst schon? Und kein einziges Handy!
Dann, etwa in der Mitte, ein paar Zahlen, schnell mal rumgerechnet, ach so, etwa 1990! Große Erleichterung meinerseits, denn ich dachte schon, ich hätte Weltbewegendes verpasst.

Der eigentliche Krimi gestaltet sich kurz, knapp und vorhersehbar, wenn auch nicht in jeder einzelnen Facette, da gibt es durchaus Überraschungen.

Was mich allerdings gefesselt hat war der psychologische Ansatz, besonders durch Tomkin. Trotz der Kürze des Buches insgesamt, empfand ich dies als sehr intensiv und anregend. Und es tut auch den Protagonisten gut, die ansonsten eher wenig Raum zur Entwicklung haben, durch diese ‚persönlichen’ Einblicke allerdings Gesicht und Stimme bekommen. Das braucht dann auch einfach keine Hunderte von Seiten. Da reicht ein Dialog, um aufzuzeigen, woran eine ganze Generation krankt. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch, weil sich die ‚paar Seiten’ dadurch nicht mal schnell nebenbei lesen lassen, sondern Raum beanspruchen, ein Durchatmen und eine kleine Reflektion.

Stilistisch ist ‚Der Tote und das Mädchen’ gut, lässt sich schnell lesen und verliert sich auch nicht in unnötiger Brutalität und Effekthascherei. Im Gegenteil punktet Martina Bick durch einen Spannungsbogen, der wenig mit Action im herkömmlichen Sinne zu tun hat, sondern vielmehr dadurch erzeugt wird, dass der Leser selbst versucht, den Fall zu lösen. Nur um am Ende festzustellen: Ok, irgendwie war es klar, aber das Drumherum hat mich in Atem gehalten’.

Für ‚Der Tote und das Mädchen’ hätte ich mir insgesamt mehr Raum gewünscht, mehr Zeit, um die Protagonisten kennen zu lernen. So ist es ein netter Appetithappen für einen (kurzen) Nachmittag oder Abend. Der allerdings nachklingt und Lust auf mehr macht.

Fazit?
Ein Krimi, der seine Akzente woanders findet, dabei leider ein wenig kurz geraten.

Ich danke bloggdeinbuch und dotbooks.de für das Rezensionsexemplar.
Bestellt werden kann es auch hier

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