Freitag, 14. November 2014

Thomas Krüger - Die Lesung (13.11.2014)


Wie immer im Herbst veranstaltete auch dieses Jahr die örtliche Buchhandlung vier Lesungen zum Thema Krimi (mit Lokalkolorit)(und Verpflegung). Leider konnte ich nur an einer davon teilnehmen, aber die hatte es in sich.

Jawohl, Thomas Krüger, der hier gleich 'umme Ecke' geboren und aufgewachsen ist (dann aber das Weite gesucht und gefunden hat), war gestern Abend zu Gast, um sein neues Buch 'Entenblues' vorzustellen.
Thomas Krüger und ich 'kennen' uns seit letztem Jahr via Internet und so war es echt spannend, sich mal life und in Farbe zu begegnen. Was wir auch vor besagter Buchhandlung taten und uns ein Weilchen unterhielten.

Kurz zum Hintergrund: 'Entenblues' (wie auch 'Erwin, Mord und Ente') spielen in einem fiktiven Ort in Ostwestfalen - und ja, wir sind ein spezieller Menschenschlag. So haben wir eine Vorliebe für extrem lange Nachnamen - was besonders die Süddeutschen zu irritieren scheint - und wir sind ein wenig wortkarg. Wenn man sich zum Beispiel an irgendeinem anderen Ort auf der Welt den Rasenmäher von seinem Nachbarn leihen will, dann ist das eine größere Aktion, bei der gerne auch getrunken und gegessen wird, während man der Höflichkeit frönt und sich erst allgemein und dann immer spezieller über das Leben und überhaupt unterhält, um dann irgendwann, schon quasi beim Rausgehen, um eben diesen Rasenmäher bittet. In Ostwestfalen klingelt man an der Tür, der Nachbar öffnet und man sagt 'Tach, leihste mir den Rasenmäher?', worauf der Nachbar sagt 'Du weisst ja, wo er steht' - wir haben also den Rasen schon gemäht und die Maschine zurückgebracht, bevor andernorts überhaupt etwas anderes geschieht als Konversation. Und warum? Weil wir Zeit für die langen Namen brauchen, ist doch klar.

Zurück zur Lesung: Langsam füllte sich der Raum nun mit Kulturinteressierten, gespannte Erwartung machte sich breit und Thomas Krüger bezog den Autorenplatz auf der Treppe. Und erzählte ersteinmal über Erwin, damit auch jeder wusste, was ihn da erwartete. Denn Erwin Düsedieker ist ein Ermittler der ganz spezielle Sorte, was ihn wirklich heraushebt aus den allseits bekannten (und inzwischen klischeehaft-langweiligen) Masse der sich in Krimis und Thrillern tummelnden Ermittlern. Aber man muss ihn einführen.
An dieser Stelle hätte ich mir gewünscht, der Autor läse zuerst aus seinem ersten Werk - aber das ist meine Meinung.
Nach einigen Sätzen aus 'Entenblues' war das Eis gebrochen und der sture Ostwestfale konnte sich amüsieren, lachte und hielt den Atem an.


Verzeiht bitte die Qualität der Fotos, ich habe bei der Platzauswahl nicht an die Sicht gedacht.

In der Pause gab es 'Bütterchen', und ich habe den leisen Verdacht, dass der kulinarische Aspekt doch einen ganz besonderen Reiz auf uns Ostwestfalen ausübt. So ließ man dem Autor auch genügend Zeit zur Nahrungsaufnahme, bevor man ihn mit Signierwünschen belagerte.

Im zweiten Teil las Thomas Krüger weiter aus 'Entenblues', diesmal eine sehr anstrengende, wenn auch leicht schmuddelige Szene für Erwin, die durch die einleitenden Worte des Autors sehr an Tiefe gewann. Und so war die Zuhörerschaft, gesättigt und im Warmen schon etwas träge geworden, gerade so richtig entspannt und aufnahmefähig, da schlug das ostwestfälische Erbe in Thomas Krüger zu und riss uns Alle abrupt aus dem Genuss. Nach dem Motto 'der Worte sind genug gewechselt' (oder auch: 'wenn es am schönsten ist, soll man gehen') beendete er kurzerhand die Lesung - natürlich nicht mitten in der Szene, aber doch mitten in gespannte Erwartung. Als Appetitanreger für das Buch hatte er damit genau den richtigen Ton getroffen und ich kann mir vorstellen, dass sich so mancher bereits auf dem Weg nach Hause darüber ärgerte, das Buch nicht gleich mitgenommen zu haben.
Denn die 'schönste' Szene hat Thomas Krüger natürlich nicht vorgelesen.
Welche das ist?
Nun, die, in der Arno sagt 'ich war das nicht'.

Neugierig geworden?
Lest und/oder hört selbst!



Fazit?
Ein gelungener Abend, der mir sehr gut gefallen hat, auch, weil es immer wieder toll ist, den Menschen hinter den Büchern kennenzulernen, seine Sicht auf die Protagonisten zu erfahren und als Leser ernstgenommen zu werden. Und weil man zuweilen Fragen beantwortet bekommt, die man gar nicht stellen wollte. So werde ich jetzt gut 12 Monate damit zubringen, mir zu überlegen, was es genau mit Donald auf sich hat - besten Dank auch, Thomas Krüger! ;)







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