Freitag, 2. Januar 2015

Extinction – Kazuaki Takano



Leseexemplar, Thriller



Das Szenario, das der japanische Autor Kazuaki Takano in seinem (Wissenschafts-)Thriller Extinction entwirft, ist für mich sehr neu und faszinierend – und dabei von der ersten bis zur letzten Seite unglaublich spannend, auch, um weiter darüber nachzudenken.
Dabei spart er nicht an Kritik an herrschenden Situationen und tatsächlichen Ereignissen, zeichnet damit allerdings ein sehr genaues Bild der Realität, wie ich finde. Das mag erschrecken, aber nur denjenigen, der sich bislang nicht damit auseinandergesetzt hat. So ist dieser Thriller auch ein ganz großer gesellschaftskritischer Roman, bei dem man sich wohl des Öfteren fragt, welche Rolle man selbst auf dieser Erde spielt.
Ein wenig versöhnlich wird es erst gegen Ende, aber das ist auch ein Gefühl, das man als Leser gut gebrauchen kann, nachdem man auf über fünfhundert Seiten durch die Untiefen der ‚menschlichen’ Unmenschlichkeit getrieben wurde, mitgefiebert und -gelitten hat, das Buch nicht aus der Hand legen konnte, gebannt war und vor lauter Spannung an den Fingernägeln gekaut hat.

Als einziges Manko empfand ich die sehr wissenschaftlichen medizinischen Teile, die ich trotz einiger Vorbildung nur eher halb verstand. Natürlich ist das nicht so wichtig, ich fand es allerdings irgendwie schade.
Außerdem gibt es eine kleine Ungenauigkeit, als es um die belgische Herrschaft über den Kongo geht. Sie könnte allerdings auch ein Übersetzungsfehler sein. Denn dieses Buch wurde erst vom Japanischen ins Englische und dann ins Deutsche übersetzt, was natürlich zu Fehlern führen kann, wenn einer der jeweiligen Übersetzer den Unterschied zwischen ‚töten’ und ‚Tod vortäuschen’ übersieht. Aber wahrscheinlich ist nur mir das aufgefallen ;)

Stilistisch ist ‚Extinction’ eher Durchschnitt, zumeist leicht zu lesen, aber leider ohne Finesse – die eventuell allerdings auch fehl am Platze gewesen wäre. Nur an wenigen Stellen wird es etwas poetischer, dann allerdings mit der Gefahr, schwülstig zu klingen.

Für empfindsame Gemüter ist dieses Buch sicherlich nichts, denn an vielen Stellen tritt die Fiction zurück und macht der Realität Platz, denn ja, so etwas geschieht tagtäglich, und nicht nur dort, wo dieses Buch spielt. Der ‚Horror’, den man als Leser von Thrillern gerne mit der nötigen Distanz auf dem heimischen Sofa genießt, wird hier doch schnell zu wahrem Unbehagen ob der Situation, in der sich so viele ‚Artgenossen’ befinden. Das hat einfach eine ganz andere Qualität als der übliche Serienmörder-Thriller.

Fazit?
Ein ergreifendes Buch, das mich über weite Strecken in geradezu atemloser Spannung gehalten hat. Und ein guter Start in das Jahr 2015 für jeden Liebhaber dieses Genres.

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