Freitag, 2. Januar 2015

Geschichte einer RuB-Leiche

erzählt von:



Wenn ich daran denke, wie mein Leben im Jahre 2002 begann!
Ich war begehrt, die Leute rissen sich um ein Exemplar dieses Titels, hatten sie doch lange auf ein weiteres Werk meiner Autorin gewartet. Und ich hatte Glück und blieb nicht lange in der Buchhandlung. Eine nette Frau schleppte mich nach Hause und las mich am gleichen Abend noch fast durch. Tja, damit begann auch mein Abstieg in die Buchhölle. So gerne wäre ich bei dieser netten Frau geblieben, aber sie gab mich weiter an ihre Tochter. Auch die las mich natürlich, doch statt mich in ihr schönes, warmes Regal zu stellen, packte sie mich in eine Kiste mit anderen Büchern. Eines Tages, ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, zog sie mich raus, schaute mich skeptisch an und sagte: ’Das ist nichts mehr wert – aber wegwerfen will ich es auch nicht.’ In mir keimte Hoffnung auf, vielleicht käme ich doch noch in ein schönes Regal?
Nein, ich wurde in eine Plastiktüte gepackt und weggetragen.
Eine fremde Frau zog mich schließlich aus der Tüte, musterte mich eher gelangweilt und stellte mich in ein Regal, das mir gar nicht gefiel. So verbrachte ich die nächsten Monate völlig unbeachtet. Oh, die Frau kam schon mal vorbei, aber sie griff nie nach mir.
Eines Tages jedoch packte sie mich und ich hatte schon die Hoffnung, ihr so gut zu gefallen, dass sie mich endlich las. Oder mir einen schönen Platz gab. Und richtig, sie stellte mich in ein anderes Regal, das mir sehr gut gefällt. Aber ich stehe hier immer noch. Seit über drei Jahren stehe ich nun hier, die Frau hat mich schon oft in der Hand gehabt, aber nie hat sie mich gelesen. Wir sind viele in diesem Regal, bestimmt über hundert, und wir weinen jeden Tag, weil wir nicht beachtet werden. Und wir werden sogar immer mehr!

Doch die Frau hat versprochen, dass wir 2015 alle gelesen werden.

Allerdings verschwinden manche Bücher auch, wenn sie gelesen wurden, und das macht mir ein bisschen Sorgen!

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