Freitag, 13. Februar 2015

Wer die Nachtigall stört – Harper Lee


Taschenbuch, Roman



Das Thema ‚Rassentrennung’ ist mir in den letzten Monaten öfter begegnet, wobei ich meine Lektüre eher unbewusst an diesem Thema orientiert habe. Aber auch unbewusst ist irgendwie bewusst.

Wie dem auch sei, um dieses Buch beurteilen zu können, muss man den historischen Hintergrund sehen. Die Handlung spielt hauptsächlich im Jahre 1935, erschienen ist es 1960, zwei Jahreszahlen, die man im Hinterkopf behalten sollte.

Ja, es hat mir gefallen, wie Harper Lee ihre Geschichte aus Sicht eines kleinen Mädchens erzählt, die zwar in dem Umfeld aufwächst, sich aber noch genügend Unschuld bewahrt hat, um ‚Traditionen’ zu hinterfragen. Und mir schwirrt jetzt noch der Kopf von all den Eindrücken.
Denn das Buch einfach als Gesellschaftskritik zu verstehen, ist mir zu wenig. Zwar wird das gesellschaftliche Gefüge der Südstaaten kritisiert, doch schafft es Harper Lee meiner Meinung nach sehr gekonnt, dieses Bild allgemeingültig zu zeichnen. Und so allen Menschen den Spiegel vorzuhalten, die meinen, andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Ansichten oder ihres Glaubens zu verurteilen. Angefangen bei Arthur, über den die schrecklichsten Gerüchte kursieren, bis hin zum ‚weißen Pack’ und den ‚Negern’, jeder wird vorverurteilt und an seinen Platz verwiesen. Und nicht unbedingt aus menschenverachtenden Gründen. Eher nach dem Motto ‚es ist, wie es ist und anders kann es nicht funktionieren’ (diese Argumente finden sich übrigens auf allen Seiten). Und wer dieses äußerst praktische System anzweifelt, wer sich einen anderen Platz suchen möchte, der eckt an, der bringt Unruhe in die Gruppe. Im Grunde ist der Mensch denn doch ein Herdentier.

Mir hat sehr gut gefallen, dass zum Beispiel Atticus um das Unrecht weiß, es aber erklären kann. Denn Toleranz muss in alle Richtungen funktionieren. Und der Kampf gegen Missstände beginnt mit Überzeugung.

Harper Lee schreibt ihre Geschichte in einem sehr gefälligen Stil, durchaus distanziert und nicht reißerisch. Man mag bemängeln, dass es sich teilweise wie ein Kinderbuch liest, ein Abenteuerroman wie ‚Tom Sawyer’ vielleicht, doch nichtsdestotrotz hat mich dieses Buch absolut überzeugt.

Fazit?
Ein wichtiges Buch, das zeitlos ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen