Donnerstag, 26. Februar 2015

Wie ich aus Versehen eine Bank ausraubte – Simon Bartsch


e-Book, Roman



Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich dermaßen bedrückt hat – auch wenn es wohl eher humorig gedacht ist.
Natürlich ist es ‚lustig’, wie Jan Lehmann, zuweilen mit seiner Freundin Laura, durch die Welt stolpert und in zum Teil schon sehr haarige Situationen gerät. Diese meistert er durchaus auch, weil er derart naiv ist, dass es einem schon Tränen des Mitgefühls in die Augen steigen können. Denn wer so simpel gestrickt ist, ist auch sehr schnell Opfer. Und genau das hat mich bedrückt. Zumal mir Jan selbst eher unsympathisch ist. Das schafft ein bisschen schlechtes Gewissen, irgendwie. Das ist mein ganz persönlicher Eindruck und beruht auf meiner eigenen Geschichte.

Deshalb jetzt mal zur objektiven Sicht auf das Buch.
Stilistisch liefert Simon Bartsch ein rundes Werk ab, indem er in kurzen, einfach gehaltenen Sätzen aus der Ich-Perspektive ‚Jan’ erzählt. So wird dem Leser schnell klar, warum manche Dinge geschehen.
Weiterhin hält der Autor der Welt schon auch einen Spiegel vor, sei es nun der Boom um den Blog (erinnerte mich an ‚Der Messias hat einen Schuh liegen gelassen, das soll unser Zeichen sein’ – oder so ähnlich, oder auch das, was in einem anderen Film passiert, auf den sich Jan selbst bezieht), und leider eben auch da, wo es darum geht, wie Jan des öfteren über den Tisch gezogen wird (die Welt ist so böse!).

Und schon wird es wieder subjektiv: Nein, ich mag die Protagonisten nicht. Weder Jan noch Laura, deren Verhalten ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Einerseits fürsorglich und durchaus selbständig und kompetent, andererseits verschwindet sie im entscheidenden Moment.

So kann ich ‚Wie ich aus Versehen eine Bank ausraubte’ zwar als stilistisch gelungen bezeichnen und dem Autor auch bescheinigen, dass er etwas zu erzählen hat, was schon ziemlich viel mit ‚Botschaft’ und ‚Sozialkritik’ zu tun hat, aber insgesamt war es kein Lesevergnügen sondern eher damit zu vergleichen ist, was man über Unfälle sagt: ‚Es ist widerlich, aber man kann einfach nicht wegschauen’.
Was natürlich viel zu hart klingt. Aber tendenziell stimmt es schon.

Fazit?
Durchaus eine stilistisch runde und stimmige Angelegenheit, inhaltlich leider überhaupt nicht mein Fall, vielleicht auch, weil ich nicht lachen konnte, sondern es eher bedrückend fand. Ähnlich ging es mir bei ‚Forrest Gump’.

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