Mittwoch, 22. April 2015

Der Vorleser – Bernhard Schlink


Taschenbuch, Roman



Dieses Buch hat mich, neben der Haupthandlung natürlich, sehr berührt, und zwar durch ein paar treffende Sätze, die Bernhard Schlink als Ich-Erzähler formuliert und damit Gefühle und Gedanken wiedergibt, die ich auf mich beziehen konnte. Das hat mich einerseits erschreckt, andererseits auch beruhigt.
Weiterhin finde ich das Thema ‚Schuld’ hier sehr gut dargestellt und aus vielen Blickwinkeln beleuchtet. Das hat mich beeindruckt, auch wegen der Frage ‚Was hätten Sie gemacht?’. Denn es ist so einfach, zu verurteilen und zu richten, wenn man selbst nie in der Situation war. Und so ist der Kläger von heute vielleicht doch der Täter von morgen.
Bernhard Schlink gelingt es meiner Meinung nach gut, darzustellen und eben nur für sich zu urteilen, sich selbst zu beurteilen, ohne in letzter Konsequenz zu verteufeln.
Gelungen fand ich auch die Darstellung der Abstumpfung, die im krassen Gegensatz zu der heutigen ‚Betroffenheit’ steht. Meiner Meinung nach realistisch und erhellender, als alle Effekthascherei, die allgemein üblich ist.

Selbstverständlich ist dies ein stilistisch hervorragendes Buch, der Anspruch ist hoch, bleibt aber verständlich und gut zu lesen.

Für mich ist ‚Der Vorleser’ auf der einen Seite literarisch sehr gut, auf der anderen Seite ein wunderbare Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte, die unterschwellig auch die Themen Kriegskinder und Kriegsenkel aufgreift, bevor es diese Begrifflichkeiten überhaupt gab.
So erklärt Bernhard Schlink, vielleicht unbewusst, Mechanismen, die gleich zwei Generationen geprägt haben und bis heute nachwirken.

Fazit?
Interessantes Buch, in dem die eigentliche Geschichte durch viel Psychologie aufbereitet und aufgewertet wird.

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