Dienstag, 14. April 2015

Die Magie der kleinen Dinge – Jessie Burton


Gebundene Ausgabe, historischer Roman



Von der ersten Seite an war ich von der Geschichte in ihren Bann gezogen. Zugegeben, weniger wegen der historischen Anteile, sondern wegen der Sache mit dem Puppenhaus. Die Nachbildung des Lebens innerhalb eines kleineren Maßstabes fand ich schon immer ein wenig gruselig, als Kind hatte ich so etwas auch nicht. Später dann hat sich der Grusel etwas gelegt, aber so ganz war das nie mein Ding. Vielleicht auch wegen der Puppen, zu denen ich überhaupt keinen Draht hatte. Und dann war doch dieser kleine Film im Fernsehen, in dem ein Mann verschwindet und als Puppe wieder auftaucht. Ähnliches habe ich mir bei ‚Die Magie der kleinen Dinge’ versprochen.

Langer Vorrede, kurzer Sinn: Jessie Burton zeichnet zum einen ein sehr authentisches Bild des Amsterdams von 1686/87 und entführt den Leser damit in ein bigottes Zeitalter. Bestes Beispiel dafür ist wohl die schmucklose Kleidung, die mit Fellen gefüttert wurde. Dazu eine Liebesgeschichte, die eigentlich keine ist, Missgunst, Neid, Bestechlichkeit und religiöse Eiferer, all das wird mit wunderbar formulierten Sätzen zu Leben erweckt und macht aus den Protagonisten dreidimensionale Personen, deren Erfahrungen dicht und mitreißend sind. Dazu gibt es noch jede Menge Drama und Tragik. Mit einer eher grauen Stimmung wird man als Leser schon ein wenig deprimiert, aber alles andere wäre unpassend. Das Leben ist kein Ponyhof – und war es das ganz sicher auch nicht zu Lebzeiten von Nella.

Nun aber zum Mystery-Anteil!
Eine ganz seltsame Stimmung entströmt den Seiten, ein Gruseln, das mich an das Buch gefesselt hat. Leider, und das ist das einzige, was mich gestört hat, wird nicht alles geklärt, jedenfalls nicht so, dass ich es als rundum befriedigend empfinde. Ein bisschen schade. Allerdings hat dieses Buch einfach zu viel Tiefe, um darüber Gram zu sein.

Stilistisch ist es eine absolut runde Sache und genau das, was man bei einem ‚guten’ Buch erwarten möchte.

Fazit?
Absolute Leseempfehlung für Alle, die sich auf hohem Niveau unterhalten lassen wollen – und ein bisschen Nervenkitzel genießen können. Oder die einfach mal wissen wollen, wie das Leben zu anderen Zeiten war.

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