Montag, 25. Mai 2015

Die Fänger des Himmels – Thomas Krüger


Gebundene Ausgabe, Fantasy



Thomas Krüger hat in ‚Die Fänger des Himmels’ ein phantasievolles, beinah episches Werk geschaffen, das in Konsequenz überzeugt und sehr viel mehr beinhaltet, als es auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Und doch hatte ich massive Probleme mir diesem Buch und musste mich zum Lesen zwingen.
Woran das liegt?

Erstens an der Lokalität und dem Hintergrund.
Ich konnte einfach keinen Ansatzpunkt für mich finden. Die Namen waren mir zu ‚exotisch’, die Welt von Nigrana nicht fassbar, nicht einzuordnen. Ich brauche einfach einen Fixpunkt, sei es historisch oder geographisch, um mich in einen Buch, in dem es um Menschen geht, wohl zu fühlen. Und da war es auch nicht hilfreich, wenn Einstein erwähnt wird. Denn was ist Nigrana? Ein Land in der Zukunft, ein Paralleluniversum, ganz woanders?
Dazu kommt noch die Mischung aus ‚mittelalterlichen’ Stukturen, die besonders bei den Berbern durchschimmern und dem Glauben an Drachen, und dem hohen technischen Standard. Das war für mich einfach nicht greifbar und in einer mir verständlichen Schublade zu verstauen.

Zweitens in der Brutalität.
Ich habe kein Problem mit brutalen Szenen in Büchern, aber was hier im Rahmen eines Jugendbuches verpackt wird, hat mir vor Entsetzen die Haare zu Berge stehen lassen (wer mich kennt, wird an dieser Stelle lachen müssen). Muss das sein? Dieses Schwelgen in Grausamkeit? Aus welchem Grund?
Vielleicht, um das Ganze als Parabel zu sehen?

Denn drittens bedient sich Thomas Krüger meiner Meinung nach in einigen Töpfen. Ein bisschen Lord Voldemort, ein bisschen Herr der Ringe und einiges an nationalsozialistischer Vergangenheit wird da munter durchgemischt, in einer bedrohliche Gesamtstimmung gepresst und mit einem Schuss Dystopie gewürzt. Meine Meinung, wie geschrieben, und vielleicht nur aus dem Bedürfnis heraus, einen Anhaltspunkt zu finden. Denn wenn Thomas Krüger auch in Beschreibungen ‚seiner’ Welt schwelgt, so erschafft er doch kein einheitliches Bild einer fremden Welt vor meinen Augen.

Viertens fand ich weder Alissa noch Tiras besonders sympathisch oder gar stimmig. Sicher erleben sie einige Abenteuer und sind Schlüsselfiguren, aber letztendlich blieb mir gerade ihr Verhältnis zueinander eher diffus und halbherzig.

Und schließlich fünftens der Stil.
Ich mag den Sprach- und Schreibstil von Thomas Krüger sehr, doch in ‚Die Fänger des Himmels’ fand ich ihn irgendwann zu übertrieben und pathetisch, zu viel Schema F. Natürlich trotzdem kraftvoll im Ausdruck, aber irgendwie abgenutzt.

Allerdings denke ich, dass dieses Buch durchaus für einen anderen Leser interessant sein kann und sogar durch mehrmaliges Lesen gewinnt. Also ein Kultbuch!?
Leider jedoch nicht für mich. Aber es ist auch einfach nicht mein Genre, ich brauche eben einen Bezug zur Realität – oder etwas völlig abgedrehtes, am liebsten mit Humor.

Fazit?
Ein interessantes Buch, gut geschrieben und mit Diskussionspotential – aber eben nicht mein Fall.

Danke Thomas für das Buch und die Widmung – ich freue mich auf den dritten Teil über Erwin und Lothar, das entspricht mehr meiner ostwestfälischen Seele ;)

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