Freitag, 1. Mai 2015

Krähenmädchen (Victoria Bergman 1) – Erik Axl Sund


CD, ungekürzt, Thriller, gelesen von Thomas M. Meinhardt



Was bringt zwei Autoren dazu, sich derart tief in die Abgründe der menschlichen Seele zu begeben und ihre ‚Beobachtungen’ so detailliert zu schildern?
Außer wenn es um Tiere geht, bin ich wirklich nicht zart besaitet, aber bei ‚Krähenmädchen’ werden Grenzen überschritten, die mich tief getroffen haben. Und das Schlimme dabei ist, dass es durchaus realistisch ist.
Allerdings gelingt es dem Autorenduo Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist auch den hartgesottensten Thrillerhörer und -leser zu überraschen und in Entsetzen und Unbehaglichkeit zu stürzen. Kein wohliges Schaudern, kein Genuss an fiktionalen Blut und Gewalt, nein, abstoßend und entsetzlich wird hier beschrieben, psychologische Abgründe tun sich auf und die Frage, warum Menschen tun was sie tun wird besorgniserregend ‚geklärt’. Die Kluft zwischen Täter und Opfer ist demnach nicht so groß, wie wir es uns gerne einreden.
So ist ‚Krähenmädchen’ ein psychologisches Experiment, das sehr eindrucksvoll zeigt, wie manipulierbar wir doch alle sind.

Insgesamt sind die Protagonisten auch eher unsympathisch, wenn auch faszinierend.

Thomas M. Meinhardt liest professionell, wenn auch nicht so richtig mitreißend und ambitioniert. Der ‚Zauber’ der sich bei mir normalerweise bei skandinavischen Romanen einstellt, war hier nicht gegeben. Allerdings hätte mich das emotional vielleicht auch überfordert, denn zu viel Nähe hätte den Schrecken unnötig verstärkt. So bleibt es klinisch steril und angemessen distanziert.

Ja, ich werde auch die beiden anderen Teile dieser Trilogie hören, aber unter uns: ich habe ein wenig Angst davor. Und zwischendurch werde auch wohl eher leichte Unterhaltung wählen, irgendwie liegen die Nerven blank.

Fazit?
Ein (Hör)Buch, das mich ziemlich erschüttert hat. Und dazu gehört eine ganze Menge. Und das erste Buch, bei dem ich spontan eine Alterbeschränkung ab 18 Jahren fordern würde.


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