Montag, 29. Juni 2015

Alles so leicht - Meg Haston

Hardcover, Roman



Das Schöne bei Büchern ist, dass man, wenn man den Klappentext nicht allzu genau liest, manchmal völlig überrascht wird. So war es bei mir in diesem Fall, denn ich hatte nicht mitbekommen, dass es in 'Alles so leicht' um Magersucht geht - ich fand das Thema Selbstmord einfach interessant und habe es mir deshalb ausgesucht.

Nachdem ich die erste Überraschung überwunden hatte, gefiel mir das Buch aber von Seite zu Seite besser, weil ich der Meinung bin, hier ein sehr fundiertes Werk zu haben, das mir als absolut nicht Betroffene einiges erklärt und in die Tiefe der Erkrankungen geht, mehr, als ich es bei irgendwelchen Dokus bisher erlebt habe.
Und ich ertappte mich dabei, wie ich einige Stellen markiert habe, weil sie auch mich betreffen und zwar sehr genau. Das spricht meiner Meinung nach für die Qualität der psychologischen Aufarbeitung allgemein und macht 'Alles so leicht' zu einem ganz besonderen Buch. Für mich.
Und ich kann mir gut vorstellen, dass andere das anders sehen.

Die Entwicklung von Stevie fand ich allerdings insgesamt zu 'amerikanisch', ähnlich wie in '28 Tage' mit Sandra Bullock, hatte ich einfach das Gefühl, es geht zu schnell. Entweder sind US-amerikanische Einrichtungen sehr viel besser als deutsche, oder hier wird vereinfacht. Wobei der lange Weg von Stevie durchaus angedeutet wird. Zurück bleibt trotzdem das Gefühl von unrealistischer Darstellung.

Stilistisch fand ich 'Alles so leicht' sehr angenehm zu lesen, vielleicht ein bisschen verwirrend mit den Rückblenden, aber mich hat das gar nicht gestört. Denn so funktioniert der Kopf!

Gewundert hat mich, dass mir am Ende ein paar Tränen kamen, die ich mir nicht erklären kann - höchstens damit, dass es Meg Haston gelungen ist, mir Stevie und ihre Geschichte ans Herz zu legen. Und das finde ich gut.

Fazit?
Tiefer Einblick in das Thema Magersucht, mitreißen dargestellt. Ein überraschend gutes Buch.

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