Dienstag, 21. Juli 2015

Der Vintage-Guide für einsame Herzen - Kirsty Greenwood





Es gibt Bücher - und Protagonisten - die brauchen einfach Zeit.
So ist es bei 'Der Vintage-Guide für einsame Herzen'.
Denn anfangs fand ich Jessica doch ziemlich daneben und fast asozial. Irgendwie aber sympathisch. Und gebeutelt vom Schicksal. Und so schrecklich blauäugig.
Doch irgendwann änderte sich dieser Eindruck und ich war geradezu hingerissen von dieser Geschichte, die zwar viel Bekanntes verarbeitet, aber über sehr viel Herz verfügt.
Deshalb war es kaum verwunderlich, als ich mit schreckensgeweiteten Augen und beinahe atemlos las und mir schließlich auch noch Tränen in die Augen stiegen. Zwar nur ganz leicht, aber immerhin. Also doch eine Geschichte, die mich in ihren Bann gezogen und fasziniert hat.

Der Stil ist beinahe einzigartig. Von vulgärsten Ausdrücken bis zu allerfeinstem 'Plauderton' beherrscht Jessica als Ich-Erzählerin das gesamte Spektrum zwischenmenschlicher Kommunikation und ist damit meiner Meinung nach authentisch und absolut stimmig. Mir macht so etwas Spaß, dieser Wechsel zwischen den Ausdrucksformen, der nur dann möglich ist, wenn man seine Sprache in allen Facetten beherrscht.

Eine Sache hat mich allerdings beinahe vom Sofa geworfen vor Lachen - und ich habe schon darüber nachgedacht, eine Rubrik zum Thema 'Was Lektoren übersahen' zu schreiben: Der Typ sagt 'Hallo' und Jessica kommentiert das rollende 'R'. Wirklich zuckersüß! Bitte, liebe Mitarbeiter vom Goldmann Verlag, ändert das nicht! Lasst vielmehr noch viele Leserinnen über diesen Slapstick stolpern.

Noch was zur Geschichte: Natürlich ist vieles vorhersehbar. Aber ich finde, Kirsty Greenwood hat einen ganz eigenen Weg und viel Dramatik, weshalb es doch auch kleinere Überraschungen gibt und wunderbar entspannt unterhält.
Interessant finde ich auch den Gegensatz altmodisch und emanzipiert. Ein Thema, über das es sich sehr gut streiten lässt, vorallem, wenn man in Schubladen denkt. Denn was ist zum Beispiel verkehrt daran, seinem Gegenüber neugierig zu begegnen und sich auf Neues einzulassen?

Fazit?
Mir hat es gefallen, vorallem wegen der Gegensätzlichkeiten.

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