Freitag, 3. Juli 2015

Welpentraining mit Martin Rütter

Hardcover, Sachbuch



Ganz ohne Zweifel wissen Martin Rütter und Andrea Buisman, worüber sie schreiben.
Und 'Welpentraining mit Martin Rütter' lege ich mit gutem Gewissen allen ans Herz, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Hund in ihre Leben zu lassen. Denn auf den 147 Seiten gibt es detailierte Fakten rund um die Anschaffung eines Welpen, von der Entscheidungsfindung bis hin zu Erziehungstipps.
Besonders der Hinweis auf 'Wühltischwelpen', also Welpen aus zwielichtigen Quellen, hat mir dabei besonders gut gefallen. Denn das kann man nicht oft genug betonen: fallt nicht auf niedliche Welpen herein, wenn die äußeren Umstände nicht stimmen!

Was mich allerdings gestört hat, war die Hervorhebung von Rassehunden von seriösen Züchtern.
So sind die vorgestellten Rassen zwar ganz bestimmt familientauglich, aber auch irgendwie beschränkt. Wer überhaupt keine Ahnung von Hunden hat und sich auf diese Vorstellung verlässt, hat hier nur ein sehr begrenztes Spektrum einer sehr viel größeren Vielfalt. Fast kann es einen wie eine Werbeveranstaltung vorkommen. GUt finde ich aber das Fehlen von zum Beispiel Jack Russell Terriern, die als Familienhunde, besonders mit kleinen Kindern, zwar beliebt sind, aber auch schon für viel Kummer gesorgt haben.
Zu diesem Gebaren passt auch die 'Verteufelung' von Mischlingswelpen, das fand ich eher übertrieben. Impliziert es doch zweierlei.
Erstens muss das Tier einem Standard entsprechen. Nicht nur, was das Aussehen betrifft, sondern ganz besonders die Charaktereigenschaften müssen in das Schema F passen. Sicherlich ist es völliger Blödsinn, von einem Jagdhund zu verlangen, ein ruhiger Begleiter zu sein, der die Tauben auf einem Marktplatz völlig ignoriert. Aber aus einer Nachbarschaftsliebelei kann durchaus Tolles entstehen, Überraschendes vielleicht, aber das finde ich eher reizvoll. Ja, ich weiß, dann muss man sich auch mit Macken befassen, die nicht unbedingt gesundheitliche Ursachen haben, wie es in diesem Buch betont wird. Und ein Hund, der ins Schema passt, ist nebenbei bemerkt auch immer noch ein Individuum.
Zweitens das Thema Mischlingswelpen aus dem Tierheim. Hierbei habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese oft in Pflegestellen umsorgt werden, also in familiärer Umgebung von sachkundigen Menschen. Ich denke, das kommt der Aufzucht bei einem guten Züchter schon gleich. Natürlich kann es auch hier zu Überraschungen kommen, was Größe und Charakter betrifft, allerdings kann man davon ausgehen, dass die Bezugspersonen ziemlich viel über die Welpen (und evtl. über die Mutter) wissen. Sie absolut abzulehnen, nun, ich finde das nicht gut.

Allerdings richtet sich dieses Buch wahrscheinlich eher an die Menschen, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben einen Hund anschaffen wollen, und da sind sie bei einem seriösen Züchter mit 'Rücknahmegarantie' sicherlich gut aufgehoben. Und das meine ich in keinster Weise böse.

Richtiggehend schockiert hat mich allerdings die Aussage, dass man Hunde nur kastrieren lassen sollte, wenn es gesundheitlich notwendig ist. Da fehlen mir wirklich die Worte.
Da wird auf der einen Seite der 'perfekte' Familienhund proklamiert und auf der anderen wird billigend in Kauf genommen, dass der ach so liebe Rüde durchdreht, weil eine läufige Hündin in der Gegend ist? Und die mit Sorgfalt ausgesuchte Hündin wird zweimal im Jahr dem Hormonchaos ausgesetzt, von ungewollten Schwangerschaften mal ganz abgesehen? Und wenn die Welpen dann geboren werden, wer soll sie nehmen? Das Tierheim?

Fazit?
Eine sinnvolle Anschaffung für Menschen, die sich zum ersten Mal einen Welpen ins Haus holen. Entscheidung, Auswahl und Erziehung werden sehr gut beschrieben. Allerdings sollte man manche Aussagen durchaus hinterfragen.

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