Samstag, 14. November 2015

Abschied für immer und nie - Amy Reed



Leseexemplar, Jugendroman



In diesem Jahr gab es bislang einige 'Krebsbücher', die weg vom tränenschweren Herzeleid zunehmend realistisch mit dem Thema umgingen und umgehen. Das finde ich eine positive Entwicklung.
'Abschied für immer und nie' ist da keine Ausnahme, entwicket sich allerdings auch in eine ganz andere Richtung.
Denn normalerweise stirbt der Protagonist und alle heulen - hier geht es um die Schuld der Überlebenden. Und Amy Reed nimmt da kein Blatt vor den Mund, im Gegenteil, sie schockiert sicherlich so manchen mit ihrer Darstellung von Evie.

Denn Evie, todkrank, klagt darüber, ihre Eltern trösten zu müssen.
Denn Evie, plötzlich gesund, agiert geradezu selbstzerstörerisch und verrät damit das, was ihr und allen anderen so wichtig war. Da ist es nur stimmig, dass sie...

'Abschied für immer und ewig' ist leicht zu lesen und sehr mitreißend - und ja, durchaus emotional.
Besonders gut gefallen hat mir auch der Realismus und die Ehrlichkeit. Krebskranke sind keine Heilige, die die Last ihrer Umgebung tragen müssen. Und Sterbende sind keine Weise. Nicht zwingend jedenfalls.
Und was darüber hinaus geht, etwas, worüber man wenig spricht (weil wohl eher selten - oder wenig dramatisch) ist, dass es durchaus geschieht, dass Todkranke gesunden. Und was ist dann? Kann man einfach zurückkehren, als wäre nichts gewesen? Nein!
Jeder, der traumatische Erlebnisse hatte, ist verändert.
Und wie weit geht da zum Beispiel Dankbarkeit.

Ja, 'Abschied für immer und nie' regt zum Nachdenken an, ist keine einfach Geschichte und weckt wohl auch eher ambivalente Gefühle im Leser. Zum einen natürlich immer auch Verständnis, aber gleichzeitig auch Unverständnis. Wobei Amy Reed ihre Protagonistin rundum stimmig darstellt und ihre Argumente nachvollziehbar sind. Man wünscht ihr einfach, dass sie ihren Weg findet.

Fazit?
Ein wichtiges Buch, das ein heikles Thema realistisch und einfühlsam präsentiert.

Eine Anmerkung:
Wie oben erwähnt habe ich ein Leseexemplar von HarperCollins bekommen. Da es ein unkorrigiertes Exemplar ist, bin ich sehr oft über Druckfehler gestolpert. Die sind natürlich in der 'richtigen' Ausgabe nicht vorhanden. Und sie sind nicht in meine Bewertung eingeflossen.
Was aber eingeflossen ist, ist die Tatsache, dass auf Seite 299 der Text endet mit dem Hinweis 'Ende der Leseprobe'.
Das heißt, ich habe keine Ahnung, wie das Buch endet, was aus Evie und X wird und überhaupt. Und da habe ich mich gefragt, ob mich das interessiert. Ist mir Evie so ans Herz gewachsen, dass ich unbedingt wissen muss, was Amy Reed noch mit ihr vor hat?
Nein, ich muss es nicht wissen!
Für mich bedeutet das: ein interessantes Buch mit einem tollen Ansatz, doch so richtig gepackt hat mich das nicht.

Nachtrag:
Inzwischen habe ich auch den Rest des Buches gelesen. War durchaus interessant, wenn auch sehr anstrengend, so emotional. Allerdings vertieft sich hier das Thema 'die Schuld der Überlebenden', was ich sehr wichtig finde in Bezug auf die 'Botschaft' dieses Buches. Leider verstärkt sich auch der Eindruck, in Evie einen Protagonisten zu haben, der irgendwann gewaltig nervt. Und das Ende ist da auch eher wenig hilfreich.
Und trotzdem finde ich dieses Buch wichtig, weil es ein Thema aufgreift, das so wenig bis gar nicht behandelt.

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