Mittwoch, 30. Dezember 2015

All die verdammt perfekten Tage - Jennifer Niven


Klappbroschur, Roman


Oh Mann, schon wieder so ein 'ich bin Teenager und habe Probleme'-Buch!
Dazu noch mit der klassischen Rollenverteilung: er ist der Aussenseiter, der bad guy, sie ist die Vorzeige-Highschool-Prinzessin. Gähn.
Allerdings ist das nicht die ganze Wahrheit und besonders Finch deutet tiefe, dunkle Geheimnisse an. Dabei helfen die zwei Erzählperspektiven. Aber es bleibt über lange Zeit nicht besonders erschütternd, ergreifend oder gar überraschend. Bis ich irgendwann das Gefühl hatte, die Geschichte kippt in eine ganz andere Richtung, die natürlich schlüssig ist, aber so konsequent, dass es mich atemlos gemacht hat. Das war auch der Zeitpunkt, als ich sehr versucht war, das Ende zu lesen, um zu wissen, wie es 'ausgeht'. Habe ich natürlich nicht gemacht. Und das ist gut so.

Abgesehen von der Handlung, die an Ehrlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt und mir an vielen Stellen aus der Seele sprach, hat Jennifer Niven genau die Worte gefunden, die sich Menschen mit psychischen Erkrankungen wünschen. Und die Angehörigen und Freunde. Angefangen bei der Pseudo-Betroffenheit bis zum völligen Unverständnis und Vorurteilen rechnet sie geradezu mit den 'Normalos' ab und erklärt einfühlsam, geradezu geduldig und eindringlich, was es mit 'Psychos' auf sich hat. Wobei das eine das andere nicht ausschließt.
Und um die ganze Sache abzurunden, gibt es noch die 'Anmerkungen der Autorin' und einen Adressanhang.

Bücher können vielleicht keine Leben retten, aber sie können sensibilisieren. Und ich denke, 'All die verdammt perfekten Tage' wurde genau dafür geschrieben und kann das auch erreichen. Weil man aus jedem Wort herauslesen kann, dass es Jennifer Niven nicht darum ging, noch einen Teenager-Roman zu schreiben, der Klischees bedient, sondern darum, ihre eigenen Erfahrungen zu verarbeiten, zu teilen und aufzuklären. Das ist an manchen Stellen sicher unangenehm, aber ich finde, es gibt auch genug gute Momente und ganz viel Hoffnung.

Ich wünsche mir, dass dieses Buch nicht nur von 'Betroffenen' gelesen wird, sondern ganz besonders von denen, die nicht verstehen, dass psychische Erkrankungen genauso 'schlimm' sind wie physische, für jeden sichtbare. Glaubt mir, ein gebrochenes Bein wäre für einen Depressiven eine gute Alternative zu seiner Krankheit. Und auch schwerere Erkrankungen. Denn es ist schlimm, 'Schmerzen' zu haben, die niemand versteht, geschweige denn deren Auswirkungen toleriert.

Jennifer Niven trifft auch stilistisch genau den richtigen Ton, auch, weil sie den Leser tief in die Seelen ihrer Protagonisten schauen lässt. Das geschieht oft schnörkellos, manchmal aber auch sehr poetisch, immer aber wahrhaftig.

Fazit?
Ein sehr wichtiges Buch!

'All die verdammt perfekten Tage' ist bei Limes erschienen.

Ein Video zum Buch gibt es auf der rechten Seite im book board, einfach mal anklicken!

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